…sind ja bekannt dafür, nicht immer so astrein Bericht zu erstatten. Bei manchen Medien kann man das ja hinnehmen. So, wie bei der Bildzeitung. Um die richtig zu stellen, haben Journalisten ja auch das bild-blog gegründet. Das nennt sich mittlerweile “Ein Watchblog für deutsche Medien”.
Vielleicht trägt das zur allgemeinen Qualitätssteigerung bei. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Heute aber ein Negativbeispiel, passend von “heute.de”
Dort kann man lesen “Ministerium: Illegaler Genmais in sieben Bundesländern“
Jetzt sollte man ein wenig auf die Wortwahl schon achten. Illegal ist der Anbau schon, denn er stellt eine nicht genehmigte Freisetzung einer gentechnisch veränderten Pflanze dar. Dies ist in der Tat verboten, strafbewehrt und daher einfach illegal.
Genmais allerdings gibt es nicht. Natürlich ist gentechnisch veränderter Mais gemeint, aber da jeder versteht, worum es geht, sagt man halt Genmais. Der Begriff führt allerdings auf falsche Fährten, denn er suggeriert, dass nur Genmais Gene hat und damit was total anderes ist, als Mais. Was natürlich totaler Humbug ist.
Aber es wird noch schlimmer: “Trotz des Anbauverbots ist in sieben Bundesländern mit Genmais verunreinigter Mais angebaut worden.”
Trotz des Anbauverbotes? Welches? Das von MON810? Der darf in der Tat aktuell nicht angebaut werden, die Genehmigung hierzu ruht aktuell. Ein rein politischer Willkürakt, der mit Schutz von Umwelt, Tieren und Verbrauchern nichts, aber auch gar nichts zu tun hat. Gut verkauft von der CSU, hat ihr aber nichts genutzt. So große Defizite, wie bei der CSU, gleicht man halt nicht dadurch aus, dass man ein sicheres Produkt populistisch wirksam verbietet…
Also, welches Anbauverbot nun? Der Verweis auf MON810 würde nur Sinn machen, wenn es auch hier um MON810 ginge. Das tut es aber nicht, es geht um NK603, eine andere Maissorte.
Die ist aktuell in Europa noch nicht zum Anbau zugelassen. Von Verbot kann keine Rede sein.
Weiter steht da, dass der ausgesähte Mais durch Genmais “verunreinigt” sei. Etwas weiter unten wird die Wortwahl krasser, da steht dann sogar, das Saatgut sei “verseucht” oder “kontaminiert”.
Da es sich bei gentechnisch verändertem Mais nicht um eine Krankheit oder einen Krankheitserreger handelt, ist verseucht das falsche Wort. Auch Kontamination geht zu weit, denn es impliziert Vermengung oder Vermischung mit etwas, was negativ ist oder einen Schaden verursachen kann.
Auch dies ist nicht der Fall. Das Saatgut war allenfalls unbeabsichtigt mit einer kleinen Menge von gentechnisch verändertem Saatgut vermengt. Aber das kann man ja so nicht schreiben, das klickt ja keiner an…
NK603 ist übrigens in seiner Sicherheit bereits bewertet worden. Mehrfach, denn schließlich sind eine Reihe von Anträgen gestellt, in denen das Event NK603 Teil einer gentechnisch veränderten Sorte ist. Für Tiere und Verbraucher, für die Umwelt, besteht keinerlei Risiko. Der Mais wird andernorts angebaut – genauso wie der bei uns verbotene MON810…
Das auch noch Greenpeace zitiert wird, und die Mär von “Gilles-Eric Seralini hat bewiesen, dass gentechnisch veränderter Mais schlecht für die Gesundheit ist” verbreiten darf, ist fast dreist. Welche Expertise der “Experte” von Greenpeace hat, konnte ich leider auf die Schnelle nicht herausgooglen. Aber die Experten von Greenpeace sind ja meist nicht sehr transparent, was das angeht…
Ich sollte wirklich meine GEZ Gebühren zurückfordern. Da kann ich ja gleich die “Schrot und Korn” lesen…
Nachtrag: die Beimengungen sollen bei “bis zu 0,1%” liegen, was aktuell die technische Nachweisgrenze darstellt. Wie gut die Analyseergebnisse wirklich sind, weiss ich nicht.

Ja, ja die Journalisten und vor allem die, für sich in Anspruch nehmen, “Qualitätsjournalisten” zu sein…..
Fast alle haben die Greenperace-Sprachregelungen vom “größten Gentechnik-Skandal in Deutschland” blind übernommen und dass bei einem Verzehr des “gesundheitliche Schäden nicht ausgeschlossen” seien. Hat da jemand aus den Redaktionen nachgefragt? Eigene Recherchen? Ist doch eigentlich selbstverständliches Journalistenhandwerk!
Wie wäre es mal damit: So wie das die “Experten” von greenpeace auch machen sich mit Berufung auf das Umweltinformationsgesetz den Untersuchungsbericht aus NI kommen lassen und dann ran an die Analyse des Analyseberichts. Vielleicht geht ja auch daraus hervor wie groß das subsample war, in dem die gv-Beimengung gefunden wurde. Geht man von der wohl angewandten LAG-Methode aus: http://www.lag-gentechnik.de/dokumente/Saatgutkonzept_2006.pdf wird bei Positivbefunden das Subsampling-Verfahren durchgeführt und das besteht aus 1000 Samen (Umfang Untersuchungsprobe: mind. 2995 Samen). Bei 1000 Samen ist eine festgestellter Gehalt unter 0,1 % eigentlich nicht plausibel.
Torben Hoffmeister
Finde ich eine gute Idee, habe ich auch schon drüber nachgedacht. Machst Du das?
Ich zitiere aus dem Text:
“Die ist aktuell in Europa noch nicht zum Anbau zugelassen. Von Verbot kann keine Rede sein.”
Also wenn es nicht zugelassen ist, kann man es nicht vebieten! Was man nicht verbieten kann, ist selbstverstandlich zulässig bzw. tolerierbar.
Schlussfolgerung: Was nicht zugelassen ist, ist tolerierbar… Insbesondere, weil dise Sorte sowieso irgend wann zugassen sein wird, nicht so?
In einem Wort: eine FARCE!
Abgesehen davon, dass die von Pierre Ott beschriebene Problematik der impliziten Aussage, wenn es nicht zugelassen sei, sei der Anbau nicht verboten, kann ich mich auch der Interpretation des Wortes “Kontamination” nicht anschließen. Das besagt nichts weiter als dass da etwas ist, was man nicht haben will.
Ihr habt also die gelichen Probleme in Deutschland? Ein rezentes Beispiel aus AT
Neulich hat unser lokaler Gentechnik Experte von Global2000 Werner Müller nach dem Besuch von Percy Schmeiser ein “Interview” gegeben, das dann in eine Aussendung der Agentur pressetext verbreitet wurde:
http://www.pressetext.at/news/100608034/genetische-verschmutzung-nimmt-immer-weiter-zu/?phrase=gen
Und schwupdiwupp erscheint folgendes in der online Version des Standard unter der Rubrik Wissenschaft:
http://derstandard.at/1271378439521/Gen-Verschmutzung-stellt-chemische-Verschmutzung-bald-in-den-Schatten
Ganz davon zu schweigen, dass dieser Bericht mit (Red/pte) als redaktioneller Beitrag markiert ist und die Zeitung somit die Verantwortung übernimmt, ist es doch erstaunlich wie solche Inhalte ihre Verbreitung finden.
Wenn soetwas mit einer politischen Aussendung passieren würde gingen die Wogen hoch, unabhängig vom Wahrheitsgehalt….
Komisch, sowie die Bürger und Bürgerinnen erfahren, was bei der Agro-Gentechnik wirklich passiert, reagieren sie wütend und bestürzt. Die meisten können sich nicht vorstellen, dass die Artgrenzen überschritten werden. Die Bürger/innen wollen keine Fremdgene im Essen haben! Die vier Säulen der Agro-Gentechnik heißen: 1. Korruption. 2. Falschaussagen der Wissenschaft, Politik und Verwaltung. 3. Kontamination und 4. Moderne Eugenik. Jeder Euro, der in diese Technik investiert wird, ist ein verlorener Euro. Es nutzt auch nichts, wenn Sie versuchen, die Kritiker lächerlich zu machen – wir Bürger und Bürgerinnen wollen von dieser Hochrisikotechnologie nichts wissen! Was Ihre hochgelobte Wissenschaftlichkeit anbelangt, mag ich nur mit den Worten von Prof. Winnacker kommentieren: “Wir werden und müssen Abschied nehmen vom Reduktionismus, bei dem jedes Problem isoliert untersucht und bei dem das Ganze, wenn überhaupt, als Summe seiner Teile betrachtet wurde. Dieser Ansatz bestimmte und bestimmt ja unser Denken, und er war ohne Zweifel eine einzigartige Erfolgsgeschichte, der wir eigentlich die gesamte Entwicklung der Wissenschaft und Technik verdanken. Aber jetzt ist der Reduktionismus an seine Grenzen gelangt.” Und: “Wir sind nicht am Ende der Biologie angelangt, sondern sind noch ganz an ihrem Anfang… Der Reduktionismus alleine bringt uns in dieser Frage nicht weiter. Der Mensch, und nicht nur er, ist eben, wir haben es schon gesagt, mehr als die Summe seiner Gene. Die Abfolge der Gene in einem Genom sagt noch nichts darüber aus, wie Gene und ihre Produkte in einer Zelle zusammenwirken.” Jetzt bin ich richtig gespannt, wie Sie mit dieser Watschn fertig werden.
Sehr geehrte Frau Marie-Luise Volk,
wie kommen Sie eigentlich dazu hier einen angesehenen Wissenschaftler zu zitieren, wo Sie a) die Wissenschaft (und andere offenbar nicht Ihrer Meinung entsprechende Vertreter mit Gruppenhaftung) pauschal der Falschaussage bezichtigen und b) hier einfach mal seine Meinung zur Gentechnik unterschlagen:
http://www.topagrar.com/index.php?option=com_content&task=view&id=12468&Itemid=519
Es ist übrigens ein beliebtes Agit-Prop-Prinzip Aussagen aus ihrem Zusammenhang zu reißen (Gegenstand der zitierten Aussage war vermutlich die Systembiologie), um die eigene Ideologie zu untermauern.
Die Ohrfeige haben Sie sich selbst verpasst.
Und noch etwas: Gehts noch ? Korruption, Falschaussagen, Kontamination, Eugenik ! Ein Wunder, dass Ihre BI bei so viel Widrigkeiten überhaupt noch arbeiten kann !
Torben Hoffmeister
Sehr geehrte Frau Volk,
ich möchte Sie zunächst -hoffentlich nicht zu sehr aus dem Zusammenhang- zitieren. Sie sagen: “Komisch, sowie die Bürger und Bürgerinnen erfahren, was bei der Agro-Gentechnik wirklich passiert, reagieren sie wütend und bestürzt.”
Sie sagen auch: “…wir Bürger und Bürgerinnen wollen von dieser Hochrisikotechnologie nichts wissen!”
Und Sie sagen: “Die meisten können sich nicht vorstellen, dass die Artgrenzen überschritten werden.”
Wer sagt den Bürgern eigentlich was wirklich passiert (oder meinten Sie mit wir nur Ihre BI?)? Und was passiert denn wirklich, was so gefährlich ist?
Vielleicht haben Sie ja recht: viele wollen nichts wissen (Sie haben das anders gemeint, aber Sie haben da auch in anderer Hinsicht recht…wissen wollen ist nämlich anstrengend). Und richtig ist sicher auch, dass viele Bürger sich vieles nicht vorstellen können.
Was passiert denn wirklich? GVOs werden seit 1996 auf mittlerweile über 100 Millionen ha pro Jahr angebaut – und ich kenne keine wissenschaftliche Publikation, die bisher gesundheitliche Risiken/Folgen durch den Konsum zugelassener GVOs nachweisen oder zumindest wahrscheinlich machen konnte. Ich kenne die Marktschreierei der selbsternannten Experten und Gutmenschen aus Bürgerinitiativen und eingetragenen Vereinen – aber können Sie mir auch nur eine wissenschaftliche Publikation nennen?
Akkumuliert über eine halbe Milliarde ha – mehrere Milliarden Tonnen GVOs in der Nahrungs- und Futtermittelkette seit über 10 Jahren – ohne Befund. Und Sie nennen das eine Hochrisikotechnologie?
Ja, man kann mit Gentechnik sicherlich böse Dinge tun…das kann ich mit einem Skalpel auch, deshalb schlage ich es dem Chirurgen aber nicht aus der Hand und sage: “Mach weiter mit der Axt!”
Und ehrlich gesagt. Viele können sich auch eine Kernspintomografie nicht vorstellen oder eine Hochdruckflüssigkeitschromatografie oder einen DNA-Mikrochip oder wie der Film auf die DVD kommt – verzichten wir deshalb drauf? Muss denn jeder Molekularbiologe oder Ingenieur werden, damit er/sie sich vorstellen kann, was Gentechnik kann?
Wirklich abstrus finde ich aber die Tatsache, dass Ihre Rhetorik gegen die “hochgelobte Wissenschaftlichkeit” ausgerechnet einen Prof zitieren muss. Aha. Ist also doch ein Markenzeichen. Liebe Frau Volk, im Gegensatz zu vielen anderen Zugängen zur Natur und zur Verbesserung der Lebensumstände muss man wohl sagen: “it works!” Das Handy funktioniert, die Impfung funktioniert, das Flugzeug funktioniert, die Kernspiontomografie funktioniert – und die Kernspaltung funktioniert auch…so oder so. Welche Alternative zur “hochgelobten Wissenschaftlichkeit” schlagen Sie denn vor? Sollen wir in der Bibel suchen oder in den Eingeweiden von Vögeln? Sicher nicht, oder?!
Selbstverständlich haben Sie recht. Wir wissen nicht genau, wie die Gene im Genom mit- und aufeinander reagieren. Wir wissen von vielen komlexen Systemen nicht, wie sie funktionieren.Nehmen wir den Artenschutz – wir wissen nicht, wie die Arten miteinander interagieren, aber wir schaffen Schutzgebieten, wenden gar biologischen Schädlingsbekämpfungsmittel an. Wir wissen nicht genau wie viele Medikamente wirken….aber wir wissen, sie wirken.
Gibt es denn -und da komme ich zum Anfang zurück- wirklich Anlass zur Sorge? Was hat Sie denn so überzeugt, Agrogentechnik aus Cochem verbannen zu müssen – nein, was macht Sie (und ihre BI) so sicher, allen Cochemer den Zugang zur Agrogentechnik verbieten zu müssen?
War da nicht mal der Ruf nach Kennzeichnung wegen der “Wahlfreiheit” – weil es ja keine Risiken zu belegen gab wollte man wenigstens die Wahlfreiheit retten…wo ist sie geblieben?
Eigentlich geht es um die Medien. Die Medien haben nicht die Aufgabe, Sprachrohr der Wissenschaftler zu sein – aber etwas mehr Mühe bei der Recherche dürften Sie sich schon geben. Aber es muss auch Bürger geben die wissen wollen und Politiker, die mit den Bürgern nicht nur über Anne Will oder die Bunte kommunizieren.
Einen schönen Abend noch.
André de Kathen
Sehr geehrter Herr Hoffmeister, sehr geehrter Herr de Kathen,
in der Patentanmeldung WO2004053055 von Monsanto, einem Patent auf unbeabsichtigte Effekte, heißt es:
“Die Möglichkeiten, eine Pflanze durch gentechnische Veränderungen zu verbessern, sind gering. Dies ist einer Reihe von Ursachen geschuldet. So lassen sich die Effekte eines spezifischen Gens auf das Wachstum der Pflanze, deren Entwicklung und Reakionen auf die Umwelt nicht genau vorherhsagen. Dazu kommt die geringe Erfolgsrate bei einer gentechnischen Manipulation, der Mangel an präziser Kontrolle über das Gen, sobald es in das Genom eingebaut worden ist, und andere ungewollte Effekte, die mit dem Geschehen bei der Gentransformation und dem Verfahren der Zellkultur zusammenhängen.”
(Ähnliche Formulierungen finden sich in der Patentanmeldung WO2007078286).
Das belegt ja wohl eindeutig, dass diejenigen, die solche Pflanzen in die Umwelt ausbringen, die Auswirkungen nicht eindeutig vorhersagen können. Dennoch entlassen sie sie in unsere Umwelt.
Finden Sie, dass das verantwortungsvoll gegenüber den nachfolgenden Generationen ist?
Was die gesundheitslichen Auswirkungen angeht, so sollten Sie zur Kenntnis nehmen, dass die sogenannten Zivilisationskrankheiten stetig im Ansteigen begriffen sind.
Prof. Jany behauptete mehrmals, dass in den USA, wo seit über 10 Jahren genveränderte Nahrungsmittel gegessen werden, keine gesundheitlichen Auswirkungen zu erkennen sind. Woher will er das eigentlich wissen, wenn man bedenkt, dass die Kennzeichnung genveränderter Nahrungsmittel in den USA bisher nicht stattfindet? De facto lässt sich auch kein möglicher ursächlicher Zusammenhang herstellen zwischen genveränderten Nahrungsmitteln und daraus resultierenden Krankheiten.
Vielleicht glaubt Herr Jany ja, man müsse nach dem Verzehr von GVOs sofort gleich tot umfallen. Fakt ist aber, dass ernährungsbedingte Zivilisationskrankheiten einen Enstehungszeitraum von 10 bis 20 oder gar 40 Jahren haben.
Mit anderen Worten: was hier stattfindet ist ein Versuch an uns Menschen, mit völlig ungewissem Ausgang.
Sollte sich herausstellen, dass diese Pflanzen schädlich sind für unsere Gesundheit, dann sind sie nie mehr rückholbar.
Fakt ist, dass unsere Genetiker so tun, als hätten sie alles unter Kontrolle. Oben genannte Patentanmeldung beweist, dass sie nicht wissen, was sie da tun, aber sie müssen eben alles machen, was machbar ist.
Ein Wissenschaftler, der von sich behauptet, er wisse zu jeder Zeit, was er tut und dass das was er tut unfehlbar ist, ist kein seriöser Wissenschaftler, sondern ist in höchstem Maße verantwortungslos.
Ich bin gespannt auf Ihre Antwort.
Andrea Dornisch
Sehr geehrter Herr de Kathen,
die Sache ist doch so einfach:
1. Die Koexistenz funktioniert nicht. Das wissen wir aber nicht erst seit Ursula Lüttmer-Ouazane, Nordeuropa-Chefin des US-Agrarkonzerns von Monsanto, dies offiziell zugegeben hat. Das wissen wir bereits von Percy Schmeiser in Kanada, dessen Rapsfelder kontaminiert wurden. Und nicht umsonst wurde bei der Novellierung des Gentechnik-Gesetzes im Januar 2008 die Interessen der Imker außen vor gelassen. Die Bienenen halten sich nicht an Abstandsregelungen.
2. Wenn die Koexistenz nicht funktioniert, dann funktioniert auch die Wahlfreiheit nicht. Soll sich die Wahlfreiheit zukünftig nur noch auf mehr oder weniger kontaminierte Nahrung reduzieren?
3. Die Akzeptanz für GVO-Nahrung ist bei der Bevölkerung nicht vorhanden. Herr Marcinowski, Vorstandsmitglied von BASF, hat dies am 20. Juli 2009 beim Symposium der Bayerischen Staatsregierung öffentlich eingestanden. Wenn es keine Akzeptanz gibt, dann macht es auch wirtschaftlich keinen Sinn, auch nur einen Euro in diese Hochrisikotechnologie zu investieren. Apropos Hochrisikotechnologie: Wissenschaftler wissen zwar, wie fremde Gene in einen Organismus eingebaut werden können, wissen aber nicht, wie man sie wieder herausbringt. Eine chemische Verschmutzung – und wenn sie noch so groß ist – wird mit der Zeit immer kleiner. Bei der biologischen Verschmutzung ist es genau umgekehrt. Auch wenn sie noch so klein ist, hat sie das Potenzial, sich weltweit auszubreiten.
4. Die Wissenschaft weiß nicht genau, wie die Gene im Genom mit- und aufeinander reagieren. Das ist der Knackpunkt. Weil sie das nicht weiß,
haben wir es plötzlich mit Pflanzen zu tun, wie z.B. mit dem Mais MON 810, der in allen Pflanzenteilen, Blättern, Wurzeln usw. Gift erzeugt. Eine harmlose Pflanze ist durch Genmanipulation zur Giftpflanze geworden!
5. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat sich – so Bayer Crop Science – zum Reis LLRICE 601 geäußert, dass “nicht anzunehmen sei, dass von LLRICE 601 eine Gesundheitsgefahr ausgehe.” Hier kommt ganz klar zum Ausdruck, dass es um “Annahmen” geht. Annahmen und Glauben haben aber nichts mit Wissenschaftlichkeit zu tun. Wenn die Wissenschaft einen Glaubenssatz annimmt, begeht sie Selbstmord, hat uns Henry Huxley hinterlassen. Die Versprechen der Agro-Gentechnik-Befürworter haben sich nicht bewahrheitet: Nicht weniger Spritzmittel, sondern mehr, nicht mehr Ernte, sondern weniger, das sind die Konsequenzen. Ganz abgesehen von den Problemen wie resistente Unkräuter, vergiftete Tiere und geschädigte Menschen.
Wir Bürger und Bürgerinnen lehnen diese Hochrisikotechnologie ab. Wir werden alles daran setzen, unsere natürlichen Lebensgrundlagen auch für die nachfolgenden Generationen zu erhalten!
Sehr geehrte Frau Dornisch,
wenn Sie im Patent weiterlesen, finden Sie zumindest teilweise eine Antwort auf Ihre Fragen und Probleme:
Even with all these problems, transformation is still practiced with persistence and diligence to identify those transgenic plants with the expected, predetermined phenotype.
Occasionally the unexpected phenotype is observed. See U. S. Patent 6,395, 966 which discloses transgenic maize with enhanced yield resulting unexpectedly from the introduction of a gene intended to confer herbicide resistance. Other enhanced traits have been achieved by mutation, e. g. induced by a transposon or chemical or physical mutagen. See for instance, U. S. Patent 6,410, 831 which discloses the production of sunflower seed with enhanced stearic acid content by random mutagenesis.
Summary of the Invention This invention relates to the discovery that transformation by random insertion into the corn genome of genes, for the transcription of which there is no known phenotype in corn, can be used as a reliable generator of modification of the corn genome to produce unexpected but yet desired phenotypes.
Gegenstand des von Ihnen zitierten Patents ist es, den Umstand der zufälligen Insertion eines Genkonstrukts ohne bekannte Funktion in Mais auszunutzen, um Effekte herbeizuführen, die auf eine Ertragssteigerung abzielen. Es ist ein Nebeneffekt, der beim Gentransfer nicht allzu häufig auftreten wird und sicher einen sehr aufwändigen Ausleseprozesses im nachfolgenden Züchtungsverfahren nach sich zieht. Solche unerwarteten Effekte werden und wurden in der Züchtung auch durch andere Verfahren erzeugt, z.B. durch chemische oder radioaktive Mutagenese mit dem Unterschied, dass man bei Gentechnik weiß, was eingefügt wurde und man auch ermitteln kann wo bzw. was im Genotyp verändert wurde. Bei einer Mutagenese ist in der Regel nicht bekannt wo diese im Genom stattfand und an welchen Stellen weitere Mutationen auftraten. Allen Verfahren ist jedoch gemeinsam, dass im Anschluß an die Veränderung und weit vor einer Vermarktung bzw. dem Verzehr, gleich welche Technologie angewandt wurde, eine umfangreiche Selektion auf den gewünschten Phänotyp vorgenommen wird und bei Anwendung von Gentechnik dazu noch aufwändige Fütterungsstudien und biochemische Untersuchungen zur stofflichen Zusammensetzung erfolgen. Warum nur im Fall der Gentechnik weitere Untersuchungen zur Unbedenklichkeit durchgeführt werden müssen, erschließt sich somit aus fachlicher Sicht nicht, denn andere Züchtungsverfahren sind weitaus ungerichteter, ohne dass es auch nur im Ansatz so thematisiert wird wie bei der Gentechnik. Vermutlich weil so gewohnt und immer schon so gemacht. Immerhin gehen alle heute verwendeten Sorten von Hartweizen auf zunächst ungerichtete Mutationen durch Bestrahlung zurück, ohne dass bei Verwendung des Mehls solche Befürchtungen eine Rolle spielen. Warum das ausgerechnet bei der im Vergleich dazu präziseren Gentechnik der Fall ist, hat wohl etwas mit einem soziokulturellen Phänomen zu tun. Für die Anwendung der Gentechnik wurde eigens eine Gesetzgebung installiert, die offenbar suggeriert, hier sei etwas besonders risikobehaftetes vorhanden. Daß es auch anders geht, zeigt das Beispiel der USA. Die Etablierung einer eigenen Gesetzgebung hat auch mit anfänglichen Unsicherheiten bei der Anwendung der Technik zu tun und der redlichen Absicht, es vorsorglich besser zu machen. Nur diese Beweggründe liegen inzwischen Jahrzehnte zurück und Gentechnik wird in vielen Lebensbereichenn sicher angewendet. Nun hat die Entwicklung insbesondere bei der grünen Gentechnik in Europa eine besondere Eigendynamik entwickelt, der die rationale Komponente vollkommen abhanden gekommen ist und die eher einem Glaubenskampf gleicht. Andre de Kathen hat wie viele andere hier in diesem Forum mit naturwissenschaftlichem Blickwinkel mit seinen Ausführungen versucht, mehr für die rationale Sichtweise zu tun.
Ernährungsbedingte Zivilisationskrankheiten haben sicher nichts mit der Anwendung von grüner Gentechnik zu tun, denn sie treten in den USA als auch in Deutschland oder dem besonders gentechnikfeindlichen Österreich auf. Es ist dem Fakt eine gewisse Ironie nicht abzusprechen, dass die zumeist durch falsche Ernährungsweise und ungenügende Bewegung bedingte Diabetes ausgerechnet mit gentechnisch erzeugtem Insulin therapiert wird. Und vor der allgemeinen Akzeptanz dieser Anwendung von Gentechnik wurde gerade in Deutschland mit ähnlichen Argumenten wie jetzt bei der grünen Gentechnik massiv dagegen Front gemacht. Es ist eine beliebte Vorgehensweise, alles mögliche für persönliche Fehlentwicklungen verantwortlich zu machen, nur nicht die eigene Verhaltensweise. Und da sind solche Schmuddelkinder wie die (grüne) Gentechnik willkommen, die als Ursache für alle Widrigkeiten herhalten muß, von angeblicher Zivilisationskrankheit, über Auswüchse der bestehenden Wirtschaftsform (Stichwort Abhängigkeit) bis zum Artensterben. Das mag zwar emotional erleichternd wirken, ist aber natürlich nonsense.
Ihre Behauptung Naturwissenschaftler würden sich für unfehlbar halten, trifft einfach nicht zu. Es ist ja gerade das Dilemma der Politiker, dass sie zwar eine riesigen wissenschaftlichen Beraterstab aquirieren, aber wenn sie einfache Antworten erwarten, enttäuscht werden. Weil eben immer wieder Einschränkungen in der Aussagekraft mit Bezug auf den aktuellen Kenntnisstand vorgenommen werden. Das unterscheidet übrigens Wissenschaft gerade von anderen praktizierten Scheinlehren, wie z.B. der Homöopathie: Im Unterschied zu Dogmen entwickelt sich Wissenschaft. Daraus jetzt den Schluß zu ziehen, alle Technologien auszubremsen, weil sie einen gewissen Unsicherheitsfaktor in sich bergen, ist eine für die wissensbasierte Gesellschaft fatale Entwicklung, weil sie Stillstand im Erkenntnisgewinn und in der Beantwortung dringender Fragen unserer Zeit bedeuten würde. Gerade die immer weiter steigende Lebenserwartung für jeden einzelnen zeigt doch, dass die Risiken im Unterschied zu vorhergehenden Generationen sehr gut beherrschbar sind.
torben hoffmeister
Zum Fall Percy Schmeiser: ob seine Felder “kontaminiert” wurden, wissen wir nicht. Das ist jedenfalls seine Darstellung. Was wir aber wissen, ist, daß er dann ganz bewußt und vorsätzlich zu über 90% reines RR-Canola selektiert hat (durch die Anwendung von – natürlich – Roundup). Deshalb wurde er von Monsanto verklagt und deshalb wurde vom höchsten kanadischen Gericht verurteilt. Das Dokument ist ja öffentlich zugänglich und jeder kann es nachlesen.
Sehr geehrte Frau Volk,
die “Sache” ist eben nicht so einfach – und sie ist für Sie nur deshalb einfach, weil Sie sich im Recht fühlen und die Mehrheit hinter sich zu wissen glauben.
Und wenn die Mehrheit gegen Grüne Gentechnik ist, dann ist der Verzicht auch demokratisch legitimiert.
Nur ändert das nichts an einer medizinisch-wissenschaftlichen Bewertung des Risikos – und die rechtfertigt keinesfalls den Begriff “Risikotechnologie”.
Wenn Sie nun als BI den Menschen Grüne Gentechnik als Risikotechnologie verkaufen, dann lügen Sie schlicht und einfach. Sie mögen ja viele andere gewichtige Gründe gegen die Grüne Gentechnik anführen, aber keine, die die Annahme schlimmer gesundheitlicher oder ökologischer Folgen rechtfertigen.
Die Koexistenzfrage wäre ein gewichtiger Grund – aber mit welchem Recht soll die Marketingstrategie “gentechnikfrei” andere (auch wenn es Ihrer Meinung nach Minderheiten sind) in ihren Rechten beschneiden dürfen?
Und wenn Sie sich dazu aufschwingen, Naturwissenschaftler über das Wesen naturwissenschaftlichen Arbeitens zu belehren, dann ist Ihnen schlicht das Koordinatensystem abhanden gekommen.
Sie haben kein Monopol auf moralische Reinheit und auch keines auf die Rettung zukünftiger Generationen – Sie leben nicht so gesund und so lange und kommunizieren mit der ganzen Welt weil Menschen wegen der “Nachhaltigkeit” auf die Umsetzung von Ideen verzichtet haben.
Wie erleben offenbar in satten Zivilisationen immer wieder diesen Hang zur Romantik, zur Vergeistigung selbst einfacher Sachverhalte. Sie glauben an die Gefährlichkeit und deshalb sehen Sie tote Tiere und geschädigte Menschen – bisher ist der Beweis für solch starke Behauptungen m.W. nicht geführt werden (und ich verfolge die Literatur seit 15 Jahren)…sie wurde nur immer wiederholt. Mit anderen Worten: Sie halluzinieren offensichtlich. Das ist Ihr gutes Recht, aber es erschwert natürlich eine sachliche Auseinandersetzung.
Mit freundlichen Grüßen
André de Kathen
Ich finde den Blog sehr interessant und mir gefällt die Sprache. Bin durch die InnoPlanta Preisverleihung 2010 darauf aufmerksam geworden.
Das Thema ist sehr gut vorgestellt und sprachlich erörtert. Fast wähnte ich mich ein Stück an LTI erinnert.
Entzauberung und damit entmachtung findet eben durch das beim Namen nennen statt. Das haben wir vom Rumpelstilzchen gelernt und dabei ging es um nichts weiter als die Zukunft. Ganz schön viel. Dafür, das haben wir auch gelernt, lohnt es alles, selbst ein ganzes Königreich einzusetzen.
Also nur mutig beim Namen nennen, denn es geht auch um unsere Zukunft. Ach ja, fast hätte ich es vergessen, irren ist menschlich heißt es. Wenn das zutrifft, heißt es, genau 100 % sind möglich. Das schafft eine demutsvolle Lebenshaltung, denn wer weiß es schon wenn er irrt. Die Bereitschaft für Dialog und Zusammenarbeit sind allemal die Grundpfeiler jeder Demokratie.
Also nur Mut zur Veränderung, denn alles Leben ist Problemlösen, sagt Karl Popper.
Das Himmelreich war nicht gestern, sondern kommt, heißt das übersetzt.
Das Leben ist schön.
Popper sagt dazu, dass die Erde wunderbar ist und dass wir wie ein Gärtner wirken sollen, wie ein weiser Gärtner, der weiß, dass ihm bei weitem nicht alle seiner Versuche gelingen. Aber er tut es doch in der Hoffnung, das Richtige zu tun und zu finden.
Mir ist völlig egal ob die Wissenschaft vorläufig keine schädlichen Auswirkungen vom Anbau genmanipulierter Pflanzen nachweisen kann (abgesehen davon, dass wissenschaftliche Erkenntnisse IMMER vorläufig sind). Das entscheidene Argument gegen diese Technologie ist ein ethisches. Nahrung ist, wie sauberes Trinkwasser, zu wichtig um sie Konzernen und maßlosem Gewinnstreben zu überlassen. Die Geschäftpraktiken von Monsanto (Monopol, Saatgutdetektive, unabhängige Farmer mit teuren Klagen überziehen) laufen den Interessen der Allgemeinheit zuwider. Es war ein großer und folgenschwerer Fehler, dass einem Konzern erlaubt wurde, ein Patent auf eine genveränderte Futterpflanze anzumelden. Die Scheingefechte um wissenschaftliche Belege für oder wider “Grüne” Gentechnik lenken hier nur vom Wesentlichen ab. Ein solch irreversibler Eingriff in die Natur steht uns nicht zu.
Verzeihung, aber das hier: “Genmais allerdings gibt es nicht. Natürlich ist gentechnisch veränderter Mais gemeint, aber da jeder versteht, worum es geht, sagt man halt Genmais. Der Begriff führt allerdings auf falsche Fährten, denn er suggeriert, dass nur Genmais Gene hat und damit was total anderes ist, als Mais.”
ist nun wirklich arroganter Humbug. Für wie blöd halten Sie denn die deutsche Öffentlichkeit? Selbst Schulkinder wissen, dass alle Lebewesen Gene haben. Was mit der Verkürzung Genmais gemeint ist, ist jedem klar. Wenn Sie mit solchen wortklauberischen Nebelraketen versuchen, die Medien oder die kritische Öffentlichkeit zu diskreditieren, fällt das nur auf Sie und diesen – ach so wissenschafltichen Blog zurück.
Dominik Schott schrieb: “Ein solch irreversibler Eingriff in die Natur steht uns nicht zu.”
Und was ist das dann ? http://www.deutsche-landwirte.de/050401e.htm
Inzwischen hat man wohl dank der „aufklärenden“ Kampagnen von greenpeace und der daraus entwickelten Diskussion gemerkt, dass alle Pflanzen Gene haben. Frühere Umfragen haben an dem Kenntnisstand jedenfalls zweifeln lassen. Eine ähnliche „Fangfrage“ wäre die nach „natürlichen“ Kultursorten (siehe auch oben) wie z.B. aus den Kunstprodukten Raps (zwei Genome), Weizen (drei Genome) und Triticale (Kreuzung aus Weizen und Roggen mittels embryo rescue). Wie Sie sehen also eine ziemlich willkürlich begründete Trennungslinie, die Anwendung von Gentechnik da auszuklammern. Und ach ja Monsanto, wie wäre es mit Nestle, BASF, Bayer, DuPont, Roche, Pfizer, Glaxo Smith Kline, …. Die Monopolentstehung und Patentfrage nur an einer Firma festzumachen und nur auf eine Technologieanwendung zurückzuführen ist doch etwas sehr dünn.
Gruß
Torben Hoiffmeister
Sehr geehrter Herr Schott,
Sie fahren ja recht großes Geschütz auf. Aber schauen wir uns doch Ihren Beitrag mal genauer an.
1. Wenn Ihnen eine wissenschaftliche Folgenabschätzung völlig egal ist, dann ist das Ihre Privatsache. Wenn Sie allerdings versuchen, Ihre hier nicht näher begründete Meinung als “ethisches Argument” zu tarnen und damit begründen,warum es völlig in Ordnung ist, anderen Menschen die Freiheit rauben zu forschen, zu arbeiten oder Geld zu verdienen (z.B. als Baumwoll- oder Sojafarmer) wo und wie sie es möchten, dann sollte man widersprechen. Die “Ethik” ist nicht a priori auf Ihrer Seite und es geht in dieser Debatte nicht nur um einen anonymen Dämon, der sich hinter dem Wort “Monsanto” verbirgt.
2. Sie sagen, es stehe uns nicht zu, irreversibel in die Natur einzugreifen? Es mag Ihnen nicht aufgefallen sein, aber tatsächlich haben 7 Milliarden Menschen schon längst irreversibel in die Natur eingegriffen – ein albernes Argument, weil der Zeitpunkt längst vorbei ist und ein undifferenziertes Argument, weil “die Natur” weder eine normative noch eine moralische Instanz darstellt. Sie ist, mehr nicht.
3. Sie behaupten, es war ein Fehler, die Anmeldung eines Patentes auf eine gentechnisch veränderte Futterpflanze zuzulassen. Aber warum? Offenbar ist es ein gutes Produkt, warum soll der Entwickler kein exklusives Vermarktungsrecht haben? Immerhin sind weltweit 130 Millionen ha unter transgenen Nutzpflanzen – und nur etwa 10 Millionen ha Nutzpflanzen im Ökolandbau z.B.. Mir scheint, Ihre Meinung wird von sehr vielen Bauern in den USA, Kanada, Argentinien oder Brasilien nicht geteilt. Zumindest bewirtschaften die fast 20% der gesamten landwirtschaftlichen Kulturpflanzenfläche weltweit mit transgenen Pflanzen.
4. Maßloses Gewinnstreben? Also die meisten Menschen hier in Deutschland, mit Rentenanspruch, Fonds und Sparkonto setzen auf Gewinnstreben. Aber Sie sagten “maßlos”. Monsanto hat in den Jahren 2007, 2008 und 2009 eine Eigenkapitalrendite zwischen 14 und 20% (niedriger als der Durchschnitt deutscher Industrieunternehmen) und eine Umsatzrendite zwischen 17 und 24% erzielt – das ist recht ordentlich, aber durchaus mit anderen Technologiefirmen vergleichbar wie Qiagen, oder vergessen Sie nicht Solarworld oder Wacker Chemie (Photovoltaik), die haben auch Umsatzrenditen von über 25%.
Also ich finde auch Ihre “ethische” Argumentation zwar vehement vorgetragen aber deshalb nicht besonders überzeugend.
Arroganter Humbug, um Ihre Sprache zu nutzen, ist es sicher auch, eine wissenschaftlich fundierte Folgenabschätzung als “Scheingefecht um wissenschaftliche Belege” abzutun. Ich denke, Sie demonstrieren hier mangelnde Urteilsfein
Wenn Ihnen ist Wissenschaft egal, dann ersparen Sie sich und anderen doch ein Urtähigkeit über einen Kulturbereich, dessen Tragweite und Ausmaß, dessen Methoden und Ergebnisse Sie zwar jeden Tag selbstverständlich hinnehmen aber offenbar nicht begreifen.
Es ist kein arroganter Humbug festzustellen, dass die meisten Menschen eben keine Vorstellung davon habenwas Gene sind, wie Sie funktionieren – fragen Sie mal “Schulkinder” danach…ich unterrichte nämlich welche.
Im Gegenteil, wir leben doch immer noch in einer Gesellschaft, in der man mit seiner spärlichen wissenschaftlichen Grundbildung immer noch kokettieren kann.
Aber nur Sie unterstellen, dass wir jeden für blöd halten, der nicht genau weiß, was Gene sind oder wie Gentechnik funktioniert oder wie man ökologische oder gesundheitliche Folgen wissenschaftlich abschätzt.
Blöd ist in meinen Augen nur der, dem die Wissenschaft und eine wissenschaftliche Bewertung völlig egal ist.
Warum? Weil es in einer pluralen Gesellschaft Konsensbedarf gibt und die wissenschaftliche Bewertung viel öfter einen kleinsten gemeinsamen Nenner darstellen sollte – sonst geraten wir immer wieder in Situationen, in denen bestimmte technologisch-wissenschaftliche Lösungsansätze für alle tabu sind, nur weil eine laute Gruppe meint, es verstoße gegen die “Schöpfung”, gegen ihr “religiöses Empfinden”, gegen ihre “Weltanschauung” oder ihre “Ethik”.
Schließlich: wenn es doch nur um die unethischen Machenschaften des Monsanto-Konzerns geht und dies das einzige Argument darstellt, dann folgt für mich daraus also, dass die Gentechnik, die von kleinen Firmen und Universitäten genutzt und in Produkte übersetzt werden vielleicht noch gesundheitlich und ökologisch bedenklich wären (das kann man ja prüfen), aber nicht mehr “ethisch”…was immer Sie damit meinen?!
Wann ist dann ein Unternehmen und sein Einfluss auf den Markt klein und unbedeutend genug, damit eine “ethische Unbedenklichkeit” ausgestellt werden kann? Und warum spielen die zwar unbewiesenen aber dennoch immer wieder behaupteten ökologischen und gesundheitlichen Schäden in der Meinungsmache gegen Gentechnik noch eine so große Rolle?!
André de Kathen
An Herrn Schott,
Patente werden nicht auf gentechnisch veränderte Lebensmittel vergeben, sondern auf die Technologie die dahinter steckt. Die Entwicklung dieser Technologie kostete ein Menge Geld und ist mir einem Mehrwert für den Landwirt verbunden. Sonst würden Millionen von Landwirten diese Technologie nicht einsetzen! Oder halten sie die Landwirte für blöd? Übrigens hat Monsanto kein Monopol, wie manche vermuten. Auch andere Konzerne und, man staune, auch mittelständische Unternehmen entwickeln diese Technologie gewinnbringend für sich, die Anbauer und letztendlich die Gemeinschaft.
Nein, ich halte die Landwirte nicht für blöd, aber für keine echten Landwirte mehr. Sie haben kein eigenes Saatgut und sind trotz eigenen Bodens abhängig von einem Chemiekonzern. Nicht blöd, aber sagen wir mal: kurzsichtig.
Sieben Milliarden Menschen haben irreversibel eingegriffen? Mit was denn?Alle unsere Spuren sind vergänglich. Selbst von einer Ölpest wie jetzt im Golf von Mexiko wird sich das Ökosystem wieder irgendwann erholen. Das Eingreifen in die genetischen Codes von Pflanzen die – einmal ausgebracht – nicht mehr zurückgeholt werden können, ist schon ein ganz andere und sehr bedenkliche Qualität.
Monsanto hat (noch) kein Monopol. Aber im Saatgutbereich wurde in den letzten Jahren massiv zugekauft, man ist da in einigen Märkten auf “gutem” Weg. Dass die Eigenkapitalrendite zuletzt “nur” 20% war (immer noch beachtlich), könnte ja mit Klagen in Europa zu tun haben, die signalisieren, dass Monsanto sich nicht überall durchsetzen kann.
Der ethische Aspekt ist für mich glasklar: Nicht alles was machbar ist sollte auch gemacht werden. Nicht alles was Profit oder Ertragssteigerung bringt, ist per se gut für uns alle. Das sollte für verantwortungsvolle Wissenschaftler selbstverständlich sein. Wenn Sie Bedenken bezüglich genmanipulierter Pflanzen als Einwände von Menschen abtun, die es “offenbar nicht begreifen” (hören Sie sich eigentlich zu, wie irre anmaßend das tönt?) abtun, dann handeln Sie blind. Genfood gibt es noch nicht lange genug. Es ist absolut nicht seriös abzuschätzen, welche Auswirkungen diese veränderten Pflanzen langfristig haben werden.
Nichts gegen Wissenschaft und Forschung. Doch die Forschung hat der Menschheit zu dienen – nicht umgekehrt. Wissenschaft die die Sorgen ihrer Mitmenschen nicht ernst nimmt, ist im günstigsten Fall wertlos, im schlimmsten Fall brandgefährlich.
Romantische Betrachtung.
Ich gebe zu, ich habe Gefallen ander Romantik. Schaue mir gern in den Galerien die Bilder an, singe gern Literatur aus dieser Epoche und lese auch gern Gedichte, und Erzählungen aus dieser Epoche.
Was sie Auszeichnet, sie hatten in ihrer Welt in der sie lebten, keinen Ort. Das brachte diese Kunstrichtung hervor. Eine für mich schöne Kunst.
Alle Hülsen des Schlechtredens einer technischen, technologischen Entwicklung, der Grünen Gentechnik ist für mich Romantik. Und es ist auch wie eine riesig großes, europäisches Kunstprojekt. Das Problem, Kunst kostet in den meisten Fällen richtig viel, ist auf das Sponsoring angewiesen.
Der Preis ist hoch. Die breite Züchterlandschaft in Deutschland, auf die wir so setzen und und brüsten, wird auch derenthalben verschwinden.
Jeder Mensch, sagt der Rabbi, ist in der Lage, dem Guten zu dienen oder dem Bösen. Es kommt allein auf seine Entscheidung an. Immer und überall auf seine Entscheidung.
Wir hätten anders wahrscheinlich noch nicht einmal den Fauskeil erfunden, weil ihn zu tragen, für alle anderen eine Gefahr bedeuten kann.
Werter Herr Schott,
leider ist es ja in Deutschland so, dass Forschung zur Erhöhung der Sicherheit bzw. um evtl. Gefahren zu ermitteln nicht mehr möglich ist. Soverbietet Frau Aigner z.B. dem Julius-Kühn-Institut Versuche mit Tabak als Modellpflanze auf den eigenen Versuchsfeldern. Diese neue Technologie nutzt den Gentransfer nicht mit dem Zellkerngenom sondern nur in mit der DNA der Mitochondrien, dem so genannten Chondrium. Diese Chondrium wird nur von der Mutter vererbt. Deshalb kann es auch nicht mit dem Pollen transportiert werden. Dies macht ein Auskreuzung höchst unwarscheinlich. Aber man will es ja nicht.
Übrigens das Märchen der Abhängigkeit von den so bösen Saatgutkonzernen muss man ja noch von einer anderen Seite betrachten. Die Züchtungsforschung hat sich ja schon vor ganz langer Zeit die Hybrid-Züchtung ausgedacht. Durch die Nutzung des sogenannten Heterosis-Effektes entstehen aus zwei Inzuchtlinien überragende reinerbige Hybride. Diese Hybride übertreffen ihre Eltern in ihren Eigenschaften wie Ertrag, Gesundheit u.v.a. Dies konnte man übrigens auch in Mitteldeutschland nach dem Krieg durch den Zuzug von Vertriebenen auch beobachten. Leider ist es so, dass in der zweiten Generation nach der 2. Mendelschen Regel diese Homozygoten wieder aufspalten. Dies macht es notwendig, dass jedes Jahr die Inzuchtlinien neu gekreuzt werden müssen. Hybridsaatgut gibt es bei sehr vielen Kulturpflanzen. So sind nahezu alle Maispflanzen auf den Feldern F1-Hybride. Deshalb muss der Landwirt schon immer jedes Jahr neues Saatgut kaufen. Dies wird aber auch in Kauf genommen, da man sich mit neuen Sorten auch einen Zuchtfortschritt einkauft. Dieser liegt dezeit bei Mais bei fast 3% je Jahr! Ganz enorm. Weizensaatgut wird in Deutschland von den Landwirten oft selbst vermehrt. Scheinbar sehr gut – in ihren Augen. Der kleine negative Nebeneffekt ist, dass die Züchter bei Weizen sehr viel weniger Geld verdienen (ca. nur 1/10 gegenüber Mais – wobei die Weizenfläche bedeutend größer ist). Deshalb wird beim Weizen, unserem wichtigsten Nahrungsgetreide, deutlich weniger geforscht. Deshalb verzeichnen wir beim Weizen nur einen Ertragszuwachs von derzeit ca. 0,6 % je Jahr. Kümmerlich!
Also – ja die Saatgutfirmen verdienen gutes Geld an den Landwirten aber nur wenn sie im Wettbewerb untereinander konkurrien können. Derzeit gibt es ca. 1000 Maissorten in Deutschland!!!!! Der größte Maissaatgutproduzent in Deutschland ist übrigens nicht Monsanto sondern KWS.
Sehr geehrter Herr Schott,
wenn Sie meinen, die massive Veränderung von Ökosystemen, die Reduktion von Lebensräumen und die daraus resultierenden Veränderungen biotischer und abiotischer Umweltfaktoren sei kein irreversibler Eingriff in das Gefügesystem, dann darf ich als Biologe wohl feststellen, dass Sie nicht begreifen. Das ist nicht anmaßend sondern eine nüchterne Feststellung, die Sie in jedem Lehrbuch der Oberstufe nachlesen könnten…und auch beobachten, wennn Sie denn wollen – dass “die Natur” immer einen Weg findet auch uns zu überleben, das ist sicher auch richtig.
Ich bin auch nicht der Meinung, dass alles zu tun ist was machbar ist und dass der Profit einzige Orientierung sein muss. Aber es gilt ja wohl auch, dass Dinge (nicht alle) zu tun sind, die machbar sind und Profit (welcher Art auch immer – nennen Sie es Belohnung, es muss ja nicht nur Geld sein) Menschen bewegt und motiviert.
Ihre Ethik ist alles andere als glasklar – sie ist in hohem Maße undifferenziert und erschöpft sich in dem populistischen, impliziten Vorwurfe, Wissenschaftler, die Grüne Gentechnik als Züchtungsmethode nicht kategorisch ablehnen, seien verantwortungslos, blind, unseriös und sorgten sich nicht um ihre Mitmenschen. Das ist frech, pauschal und von Sachkenntnis ungetrübt. Nicht jeder Wissenschaftler, der die Grüne Gentechnik nicht so kategorisch ablehnt, ist ein profitgieriger “Monsantonist”.
Ich habe mich zum Beispiel um die Ernährungssituation in einem trockener werdenden Mittleren Osten gesorgt – und da sind mir die unbelegten Sorgen eines -mit Verlaub – “verwöhnten” Europäers weniger bedeutsam als die des Kleinbauern in Syrien zum Beispiel.
Ich nehme Ihre Bedenken durchaus ernst – aber ich bin tatsächlich so “arrogant” sie in ihrer Undifferenziertheit nicht zu teilen.
Danke Herr de Kathen für diese klaren Worte!
@Dominik Schott:
“Nein, ich halte die Landwirte nicht für blöd, aber für keine echten Landwirte mehr. Sie haben kein eigenes Saatgut und sind trotz eigenen Bodens abhängig von einem Chemiekonzern. Nicht blöd, aber sagen wir mal: kurzsichtig.”
Landwirte waren schon immer und sind auf Grund der Multifunktionalität der Landwirtschaft (die gerade wiederentdeckt zu werden scheint, aber ja nie wirklich verloren war), in vielfältiger Rolle und damit auch Wahrnehmung zu finden: sie sind Produzenten von Lebensmitteln, Kleinstunternehmer, Landschaftsmanager, Erhalter räumlicher/natürlicher Strukturen, aber auch Lobbyisten, und Anwender von umweltschädlichen Technologien.
Wir dürfen nicht vergessen, dass Landwirte dies für uns alle tun. Um uns mit Lebensmitteln zu versorgen, und auch, um Landschaften, an die wir uns in Mitteleuropa gewöhnt haben, und die uns als Kulturlandschaften wichtig sind, zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Und gerade das weiterentwickeln finde ich wichtig.
“Sieben Milliarden Menschen haben irreversibel eingegriffen? Mit was denn?Alle unsere Spuren sind vergänglich. Selbst von einer Ölpest wie jetzt im Golf von Mexiko wird sich das Ökosystem wieder irgendwann erholen. Das Eingreifen in die genetischen Codes von Pflanzen die – einmal ausgebracht – nicht mehr zurückgeholt werden können, ist schon ein ganz andere und sehr bedenkliche Qualität.”
Es gibt das Konzept der Potentiellen Natürlichen Vegetation. Für große Teile Mitteleuropas und für fast ganz Deutschland, wäre das ein Buchen-Eichen-Birken Mischwald – ähnlich denen, wie man es von den Nationalparks noch kennt.
Alles andere, die Lüneburger Heide, der Schwarzwald, Mainfranken, die Weingebiete an Mosel, Saar, Ruwer und so weiter, das alles sind vom Menschen geschaffene Kulturlandschaften. Die meisten Arten, die dort vorkommen, hätten in der potentiellen natürlichen Situation gar kein zuhause, würden nicht vorkommen.
Und viele der Pflanzen, die wir entweder auf den Felder anbauen, oder in unseren Gärten anpflanzen, wären ohne menschliches Zutun in dieser Form gar nicht vorhanden (weil wir sie erst gezüchtet haben), oder gar nicht hier (weil wir sie von woanders eingeführt haben).
Das, was allgemeinhin und gerade von städtischen Bewohnern als “Natur” angesehen und empfunden wird, ist im Grunde eine vom Menschen gezähmte und sein ästhetisches Empfinden und seinen Nutzen angepasste zahnlose Variante.
Alle Einflüsse, die wir Menschen vorgenommen haben, haben sich auch auf die Arten ausgewirkt. Wir züchten Kulturpflanzen seit Einführung der Landwirtschaft vor knapp 10.000 Jahren, und durch natürliche Auskreuzung haben wir damit alle potentiellen Kreuzungspartner unserer Kulturpflanzen schon lange genetisch überformt.
Wenn irgendeine Eigenschaft unserer Kulturpflanzen auch in der freien Wildbahn von Vorteil gewesen ist, dann hat sie sich dort wohl auch schon lange durchgesetzt. An wilden Salatpflanzen bzw. an Hybriden zwischen Kultursalat und Lactuca serriola (Stachel-Lattich) und auch bei Wildrüben Beta maritima hat man solche Auskreuzungen nachgewiesen. Die ökologischen Konsequenzen sind weitestgehend unerforscht, aber das heisst nicht, dass es sie nicht gäbe.
Wir haben also vielfältig in den genetischen Code von vielen verschiedenen Arten eingegriffen – wissentlich und am meisten unwissentlich.
Wer das ignoriert oder nicht wahrhaben will, der hat es einfach gelinde gesagt nicht verstanden. Und das ist keinesfalls anmaßend, als vielmehr eine Feststellung nachprüfbarer Tatsachen.
“Wenn Sie Bedenken bezüglich genmanipulierter Pflanzen als Einwände von Menschen abtun, die es “offenbar nicht begreifen” (hören Sie sich eigentlich zu, wie irre anmaßend das tönt?) abtun, dann handeln Sie blind. Genfood gibt es noch nicht lange genug. Es ist absolut nicht seriös abzuschätzen, welche Auswirkungen diese veränderten Pflanzen langfristig haben werden.”
Langfristige Abschätzungen sind niemals seriös, denn keiner kann die langfristigen Folgen irgendeines tuns abschätzen.
Die Menschen haben irgendwann mal angefangen, die Milch von Kühen zu konsumieren. Dies ist vor allem in Alpenregionen weit verbreitet. Milch und Käse waren sehr ergiebige Nahrungsquellen, die auch unbestreitbar sicher gesund sind.
Welche langfristigen Konsequenzen hatte das? Offensichtlich hat sich im Laufe der Jahrhunderte eine genetische Variante in den menschlichen Populationen durchgesetzt, die die Individuen in die Lage versetzt, Milchzucker auch im hohen Alter abbauen zu können.
Denn “normalerweise” ist der Abbau von Milchzucker nur in frühen Lebensjahren nötig, anschließend nicht mehr (weil Milchkonsum von Natur ist da nicht vorgesehen ist, im Baby- und Kleinkindalter aber schon).
Das führt dazu, dass der “natürliche” Genotyp (Laktose-intolerante wie ich selbst) immer weniger geworden sind, und der “neue” Genotyp sich immer mehr durchgesetzt hat.
Welche langfristigen Konsequenzen hatte das? Hat durch diese genetische Änderung in der menschlichen Population vielleicht noch anderes in unseren Genomen stattgefunden, von dem wir heute nichts wissen? Weil der neue Genotyp vielleicht mit anderen, weiteren Eigenschaften verlinkt war? Welche Konsequenzen hatte das für den Genpool des Menschen? Keiner weiss es.
Vor einigen Jahren wurde sogar berichtet, dass ein in Katzen vorkommender Parasit Auswirkungen auf menschliches Verhalten haben könnte, und sich dies sogar auf gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen auswirken kann (http://www.sciencedaily.com/releases/2006/08/060804085444.htm).
Hat es dazu jemals ein Risk Assessment gegeben? Eine prospektive Folgenabschätzung? Natürlich nicht.
Ich will hier gar nicht Risiken kleinreden, im Gegenteil. Ich will erreichen, dass Menschen in die Lage versetzt werden, Risiken gegeneinander abzuwägen und im Kontext zu verstehen.
Und wenn hier argumentiert wird, dass über die Langzeitfolgen von GV Pflanzen zu wenig gewusst sei, dann kann ich nur entgegnen: wir wissen zu wenig über die Langzeitfolgen des Kaffeekonsums, des Konsums von Triticale, des Konsums von Kiwis, des Konsums von Litschis, der Benutzung von Handys, der Auswirkungen der Internetnutzung usw usf.
Sollen wir bei all diesen Technologien nun auch voll auf die Bremse treten und in Panik verfallen?
Oder sollen wir lieber sinnvoll und ernst darüber diskutieren, welche Risiken erforschbar sind, und welche nicht?
Oder soll ich das Fehlen von Langzeitdaten als Aufforderung verstehen, Fütterungsversuche an Menschen durchzuführen? Die dann natürlich sehr komplex angelegt und streng kontrolliert werden müssen, weil wir heute überhaupt noch gar nicht so genau wissen, wie sich das, was wir essen, auf uns auswirkt. So ganz allgemein. Wie soll das also gehen?
“Nichts gegen Wissenschaft und Forschung. Doch die Forschung hat der Menschheit zu dienen – nicht umgekehrt. Wissenschaft die die Sorgen ihrer Mitmenschen nicht ernst nimmt, ist im günstigsten Fall wertlos, im schlimmsten Fall brandgefährlich.”
Ja, die Forschung hat dem Nutzen der Menschheit zu dienen. Aber nicht seinen Vorteilen, seinen esoterischen Einstellungen, seinen Weltanschauungen und seinem Glauben.
Wissenschaft basiert auf objektiven und überprüfbaren Informationen und Fakten. Und wenn wir über Sicherheit diskutieren, kann auch nur das Maßstab sein.
Das soll am Ende natürlich “seinen Vorurteilen” heissen.
Die EU hat gerade ein Kompendium herausgegeben:
A decade of EU-funded GMO research (2001-2010): http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/10/1688
Zitat: According to the projects’ results, there is, as of today, no scientific evidence associating GMOs with higher risks for the environment or for food and feed safety than conventional plants and organisms.