“Unerwünschte Inhaltsstoffe”

Dienstag, 16. August 2011 von Stefan Rauschen

Der (Des)Informationsdienst Gentechnik, der hier bereits öfter wegen panischer Meldungen zitiert wurde, hält sich diesmal in seiner aktuellen Meldung sogar ein wenig zurück:

“Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erklärte Ende Juli zwei neue gentechnisch veränderte Sojabohnenpflanzen mit unbeabsichtigten Stoffwechselveränderungen für unbedenklich.”

Hervorhebung durch mich.

Zurück geht dies auf eine Pressemitteilung des Vereins TestBiotech e.V., der in seiner Überschrift von “unerwünschten Inhaltsstoffen” spricht:

“Bei Soja 356043 der Firma Dupont/Pioneer wurden zu hohe Gehalte an verschiedenen Fett- und Aminosäuren festgestellt, bei Soja MON87701 der Firma Monsanto hat sich durch den Eingriff in das Genom der Pflanzen der Vitamin-E-Gehalt in den Pflanzen verändert.”

Hervorhebungen durch mich.

Beschäftigt man sich nun etwas näher mit der Materie, und von einem ausgebildeten Dr. med. vet., einem “Experten” für Gentechnik,  und sogar drei Biologen (ein promovierter, zwei weitere) darf man sowas ja durchaus verlangen, stellt man fest, dass es irgendwie gar nicht so schlimm und eigentlich total Quatsch ist.

In seiner wissenschaftlichen Stellungnahme zum Zulassungsantrag für die Sojabohne 356043 der Firma Pioneer stellt die EFSA fest:

“The EFSA GMO Panel concludes that no differences were identified between 356043 soybean and its conventional counterpart, except for the newly expressed proteins, for higher levels of the acetylated amino acids N-acetylaspartate (NAA) and N-acetylglutamate (NAG), and the odd-chain fatty acids heptadecanoic, heptadecenoic and heptadecadienoic acid in seed from 356043 soybean. The levels of these acetylated amino acids and odd chain fatty acids fall outside the natural ranges observed for other commercial non-GM soybean varieties.”

Es wurden also von den Aminosäuren N-Acetylaspartat und N-Acetylglutamat, sowie von drei Fettsäuren erhöhte Gehalte gefunden im Vergleich zu anderen Sojabohnen. Diese lagen sogar ausserhalb des Spektrums der zum Vergleich herangezogenen Sorten.

Im Kapitel 4 der Stellungnahme ist zu lesen, dass die GV Sorte mit ihrer Ausgangslinie und weiteren konventionellen Sorten in ihrer Zusammensetzung verglichen wurde. Angegeben ist, dass die Daten zu den Referenzsorten zum einen aus der Literatur stammen, zum anderen aus einer einjährigen Studie mit 4 konventionellen Sorten. Für eine der Fettsäuren wurden weitere neuere Daten von 8 weiteren konventionellen Sorten berücksichtigt:

“Consistent statistically significant compositional differences between 356043 soybean and its conventional counterpart were found for the odd chain fatty acids heptadecanoic, heptadecenoic and heptadecadienoic acid, independently of the herbicide treatment regime. Levels determined for 356043 soybean were around two to three times higher than those observed for the conventional counterpart and outside the ranges observed for other commercial soybean varieties (Table 2). The range for heptadecadienoic acid in commercial soybeans was determined by the applicant by analysis of material obtained from eight soybean varieties grown in three field studies in the US and Canada (2007, 2009).”

Nun  stellt man sich unweigerlich die Frage: ist das schlimm?

Ich würde sagen: Nein! Und zwar aus einem einfachen Grund: Sorten unterscheiden sich immens bezüglich ihrer Inhaltsstoffe. Und selbst Pflanzen derselben Sorte unterscheiden sich immens, je nachdem, wo und wann und unter welchen Bedigungen sie angebaut worden sind.

So zeigt diese Arbeit aus dem Jahr 1995 sehr anschaulich, dass hinsichtlich der Gehalte an verschiedenen Fettsäuren die Sorten, die am Anbau herrschenden Temperaturen und auch Wechselwirkungen zwischen beiden einen signifikanten Einfluss auf die Fettsäuregehalte haben. Die Unterschiede liegen hier auch bei größer als Faktor 2. Nichts ungewöhnliches also.

Wie man bei der North Carolina State University online nachsehen kann, gibt es allein in diesem Bundesstaat weit über 200 verschiedene Sorten, die dort üblicherweise angebaut werden. Leider habe ich nichts gefunden, woraus hervorginge, wieviele Sorten es so insgesamt gibt.

Diese Sorten sind mit Sicherheit nicht alle charakterisiert: warum sollte man das bei konventionell gezüchteten Pflanzen auch tun und veröffentlichen? Schließlich müssen diese nicht sicherheitsbewertet werden – ein öffentliches Interesse an diesen Daten ist nicht gegeben. Klar ist es für einen Züchter sicher interessant und vielleicht sogar ausschlaggebend, wie hoch der Gesamtgehalt der Fettsäuren und auch der Gehalt einzelner Fettsäuren in seinen Sorten ist. Und somit dürften hierzu sicherlich Daten bei Züchtern vorhanden sein. Nur öffentlich zugänglich sind sie nicht – und damit bleibt die Variabilität über das gesamte Spektrum in Dunklen. Hier deswegen dann Panik zu schieben, ist unangebracht.

Zumal Fettsäuren natürlicher Bestandteil von Sojabohnen sind. Und gesund!

Gleiches gilt natürlich auch für Aminosäuren! Auch diese schwanken in ihren Gehalten immens, und Sorten unterscheiden sich. Hier eine Arbeit, die die Auswirkungen von unterschiedlichen Temperaturen auf die Aminosäuregehalte untersucht hat. Die Unterschiede sind jetzt nicht enorm. Aber die Studie zeigt, dass ein einzelner Faktor sich immens auswirken kann. Und da sich Sorten immens voneinander in der Genetik unterscheiden (können), tun sie dies natürlich auch in ihren Inhalten.

Nicht umsonst gibt es Allergiker, die manche Apfelsorten vertragen, und andere nicht. Wenn alle Apfelsorten gleich wären, müssten Allergiker absolut verzichten. Dass dem nicht so ist zeigt klar, wie variabel unsere Sorten sind. Daraus abzuleiten, es gäbe eine Gefährlichkeit, ist weit aus dem Fenster gelehnt.

Bei der zweiten von TestBiotech e.V. kritisierten Sojabohne, MON 87701 von Monsanto, wird es allerdings erst richtig wild. Die EFSA schreibt in der Zusammenfassung der wissenschaftlichen Stellungnahme:

“The EFSA GMO Panel compared the composition, phenotype and agronomic characteristics of soybean MON 87701 and its conventional counterpart (A5547), assessed all statistical differences identified, and came to the conclusion that soybean MON 87701 is compositionally not different from its conventional counterpart except for having an increased vitamin E content (still within the normal range of soybeans) and expressing the Cry1Ac protein.”

In Kapitel 4 wird dazu ausgeführt:

“The only case where the difference was appreciable was vitamin E (23.2 % increase); the vitamin E level was significantly higher in soybean MON 87701 than in its conventional counterpart at four of the five field trial sites (17-37 %). In all cases except one, the level of vitamin E and all other measured compounds were within the range defined by the commercial reference varieties included in the study and reported by the ILSI crop composition database (Ridley et al., 2004) or the USDA-ISO (2006) isoflavone database.”

Der Vitamin E Gehalt war also um 23,2% erhöht, und zwar an vier von fünf untersuchten Standorten (Schwankungsbreite der Abweichungen: 17 -37%). Der Gehalt war aber immer noch in der Spannbreite, die für Soja bislang berichtet wurde.

Auch hier wird man sagen? Ja und? Gehalt von einem gesunden Inhaltsstoff leicht erhöht? Wo ist das Problem?

Darum geht es den Damen und Herren von TestBiotech e.V. natürlich nicht, was aus ihrer Pressemitteilung auch ganz klar heraus kommt:

“Für Testbiotech zeigen diese Fälle grundsätzliche Probleme der Agrogentechnik und der Risikobewertung durch die EFSA auf: „Die Gene werden per Schrotschussverfahren ungezielt ins Erbgut eingeschleust und ihre Aktivität wird technisch erzwungen. Ungewollte Auswirkungen auf den Stoffwechsel der Pflanzen lassen sich nicht vorhersagen und nicht verhindern. Gentechnisch veränderte Pflanzen weisen deshalb spezifische und andere Risiken auf als Pflanzen aus konventioneller Zucht“, sagt Christoph Then von Testbiotech. „Die EFSA geht bei ihrer Prüfung aber von einer Gleichwertigkeit aus.“”

Gentechnik ist also per se gefährlich und hat immanent andere Risiken, als die konventionelle Züchtung. So zumindest Dr. med. vet. Christoph Then.

Korrekt ist: bei der Pflanzenbiotechnologie kann man Gene per Schrottschuss in das Genom einfügen. Man kann es aber auch ganz anders machen und die Methoden werden immer gezielter und feiner (und sind mittlerweile so weit entwickelt, dass man darüber diskutieren muss, ob der entstehende Organismus überhaupt noch ein GVO nach Definition des Gesetzes ist, oder nicht). Hier wird ein typisches Bild gezeichnet, von Gentechnologie als kruder Versuch, in das Genom einzugreifen. Da ist man bei TestBiotech e.V. nicht auf der Höhe der Zeit.

Korrekt ist: Auswirkungen auf Eigenschaften im komplexen Gefüge lassen sich nicht zwingend vorhersagen. Aber dafür werden sie bei den gentechnisch veränderten Pflanzen ja auch geprüft (wie die beiden EFSA Gutachten beweisen). Bei konventionell gezüchteten Pflanzen wird das nicht gemacht.

Und das ist deswegen ein wichtiger Punkt, weil hier nämlich TestBiotech e.V. irrt. Es gibt von den genomischen Mechanismen keinen Unterschied zwischen den GV Pflanzen und den konventionell gezüchteten Pflanzen. Dies hat Prof. Werner Arber immer wieder versucht, klarzustellen. Zuletzt in diesem Paper:

“By comparing strategies of genetic alterations introduced in genetic engineering with spontaneously
occurring genetic variation, we have come to conclude that both processes depend on several distinct
and specific molecular mechanisms. These mechanisms can be attributed, with regard to their
evolutionary impact, to three different strategies of genetic variation. These are local nucleotide
sequence changes, intragenomic rearrangement of DNA segments and the acquisition of a foreign DNA
segment by horizontal gene transfer. Both the strategies followed in genetic engineering and the
amounts of DNA sequences thereby involved are identical to, or at least very comparable with, those
involved in natural genetic variation. Therefore, conjectural risks of genetic engineering must be of the
same order as those for natural biological evolution and for conventional breeding methods. These risks
are known to be quite low.”

Bei der konventionellen Züchtung werden ganze Genome neu kombiniert. Es können Brüche entstehen, Deletionen, Substitutionen, springende Gene hüpfen kreuz und quer im Genom herum. Keiner kann vorhersagen, was dabei passiert. Das macht das Züchten von neuen Sorten ja so immens zeit- und kostenintensiv: man muss sehr viele Kreuzungen durchführen und anschließend viele Kreuzungslinien auf ihre Eigenschaften prüfen. Und heutzutage wird das mit den modernen Methoden der Genetik und Bioinformatik gemacht. Die Datenberge, die dabei entstehen, sind gewaltig.

Und nicht vergessen sollten wir, dass die Mutagenese Züchtung auch zu den “konventionellen” Züchtungsverfahren gehört. Weit über 2000 Sorten sind durch Mutagenese weltweit gezüchtet worden. Und Mutagenese wirkt sich bedeutend stärker auf die Regulation des Genoms aus, als bei der Gentechnik verwendete Methoden. Wurde 2008 in PNAS veröffentlicht. Und mit Hartweizen gibt es nunmal eine Pflanze, die sehr intensiv mit Mutagenese züchterisch bearbeitet wurde. Aus diesen Sorten und ihren Abkömmlingen wird heute Pasta gemacht!

Aber eine Risikobewertung, wie bei den GV Pflanzen, ersparen wir uns hier. Warum? Weil wir aus Erfahrung wissen, dass das Risiko minimal ist. Wir betreiben Pflanzenzucht seit Jahrhunderten, wissenschaftlich seit vielen Jahrzehnten. Die Fälle, in denen etwas Schlimmes geschehen wäre, waren äusserst wenige – zumal meist abzusehen war, worauf man achten musste (Solanin bei Kartoffeln zum Beispiel).

Das kombinierte Wissen aus konventioneller Pflanzenzucht und Jahrzenten der Pflanzenbiotechnologie-Forschung zeigen klar, dass die hier argumentierte Sichtweise Panikmache ist. Mit einem wissenschaftlichen balancierten Standpunkt hat das nichts zu tun. Das muss aber nicht verwundern, wenn man die Unterstützer des TestBiotech e.V. unter die Lupe nimmt. Aber davon kann sich ja jeder selbst ein Bild und eine Meinung machen.

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7 Antworten zu ““Unerwünschte Inhaltsstoffe””

  1. Torben Hoffmeister sagt:

    Vielen Dank an Stefan Rauschen, dass er sich die Mühe gemacht hat, die Meldungen vom „Informationsdienst Gentechnik“ und von TestBiotech einmal näher unter die Lupe zu nehmen Ich kannte diese Meldung zwar auch, war aber schon beim Lesen so ziemlich ermüdet, weil es die übliche Masche ist, von Abweichungen harmloser Inhaltsstoffe auf die Unberechenbarkeit der Anwendung von Gentechnik an Pflanzen zu schließen, ergo eine Gefährlichkeit zu unterstellen. Schon die Überschrift lässt den manipulativen Ansatz erkennen: „Unerwünschte Inhaltsstoffe“. Seit wann sind Aminosäure-Derivate, C17-Fettsäuren und Vitamin E als Inhaltsstoffe von Futter und Nahrung unerwünscht ?
    Eines hat mich dann aber doch noch irritiert: Als Förderer von TestBiotech wird eine Kant-Stiftung geführt. Diese Stiftung sollte aber ihre Grundsätze ernster nehmen „Sapere aude! (“Wage es zu wissen, klug bzw. weise zu handeln!”) Dieser von der Aufklärung eingeforderte Mut jedes einzelnen, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen …”.
    Da unterliegt die Stiftung wohl folgendem Trugschluss der Moderne: Alles, was kritisch daherkommt, ist automatisch auch der Aufklärung verschrieben. Dass dem nicht so ist, hat Stefan sehr gut dargestellt. Angesichts der Qualifikationen des testbiotech-Personals ist im Gegenteil sogar festzustellen, dass mit dem Werfen verbaler Nebelkerzen in Form naturwissenschaftlich klingender Phrasen eine Art Antiaufklärung betrieben wird. Wie heißt es so schön: Der Namensgeber der Stiftung würde sich im Grabe umdrehen.

  2. [...] Gute Gene, schlechte Gene Ein Wissenschaftsblog zur Grünen Gentechnik « “Unerwünschte Inhaltsstoffe” [...]

  3. Peter Langelüddeke sagt:

    Herr Rauschen erwähnt etwas, über das ich mich seit Langem wundere, nämlich diesen bemerkenswerten Verein Testbiotech und die Publikationen, die von dort kommen. Auch wenn das nicht direkt das Thema von Herrn Rauschens Beitrag ist, scheint mir ein ergänzender Kommentar notwendig. Seit geraumer Zeit liest man nämlich immer wieder Gutachten, Stellungnahmen, Offene Briefe, Studien, Berichte etc. von „Testbiotech“. Dieser Verein schmückt sich mit dem Zusatz „Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie“. Dies vermittelt den Eindruck, hier handele es sich um eine wissenschaftliche Institution. Nichts Neues, nichts Unerlaubtes, aber irreführend. Auch das Öko-Institut in Freiburg und das Umwelt-Institut München sind nicht mehr als eingetragene Vereine, lassen aber mit dem „Institut“ im Namen viel Raum für wissenschaftliche Fantasie. Immer sind die Publikationen von Testbiotech verbunden mit einem Namen, nämlich dem von Dr. med. vet. Christoph Then. Dieser Name ist vielen, die sich mit Gentechnik beschäftigen, bekannt, war er doch lange Zeit bei Greenpeace sehr aktiv. Irgendwann war er dann da weg und tauchte zunächst bei dem Verein „Scouting biotech“ auf, auf dessen Internetseite es heißt: „Seit Juni 2009 arbeitet Christoph Then als Geschäftsführer für die Expertengruppe “Testbiotech e.V.” (www.testbiotech.org)“.

    Schauen wir uns einmal die Internetseite von Testbiotech an. Auf der Seite „Home“ findet man nichts anderes als eine lange Liste von Publikationen unterschiedlichster Art. Erst auf der Seite „Über uns“ werden Verein und Ziele vorgestellt. Zu Vereinsstruktur, Vorstand, Mitgliedern, Satzung, Finanzierung etc. lässt sich aber weder hier noch an anderer Stelle etwas finden. Es gibt zwar die sehr ausführliche Bitte um Spenden (auf der Seite „Fördern & Spenden“), man kann Fördermitglied werden, aber einen Antrag auf ordentliche Mitgliedschaft gibt es nicht, auch nichts über die Höhe eines Mitgliedsbeitrags. Hier verfährt man offensichtlich nach dem Modell Greenpeace: Eine kleine handverlesene Gruppe bestimmt die Geschicke des Vereins. Wie sie an ihre Funktion gelangt sind, erfahren Außenstehende nicht. Nicht gerade sehr transparent.

    Zum Thema „Mitglieder“ erfährt man lediglich, dass Testbiotech „u.a. folgende Mitglieder“ hat: Neben Christoph Then als Geschäftsführer werden Andreas Bauer-Panskus, Hartmut Meyer, Christof Potthof und Ruth Tippe genannt. Alle sind in der einen oder anderen Form mit dem Genethischen Netzwerk (GeN) verbunden. Komisch, da fällt mir unwillkürlich das Stichwort „Seilschaft“ ein. Und handelt es sich bei diesen vier Personen um die eingangs erwähnte „Expertengruppe“? Oder sind das etwa Vorstandsmitglieder? Der Besucher wird mit diesen Fragen allein gelassen. Wer sonst noch Mitglied im Verein Testbiotech ist, erfährt man nicht. Nun muss kein Verein seine Mitgliederliste offen legen. Herr Then hatte allerdings in „Kontrolle oder Kollaboration“, einer seiner vielen Auftragsarbeiten (Auftraggeberin war die damalige Bundestagsabgeordnete und jetzige rheinland-pfälzische Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken) z.B. dem Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik vorgehalten, keine aktuelle Mitgliederliste zu veröffentlichen. In solchen Fällen wird den betreffenden Organisationen gerne mangelnde Transparenz vorgehalten. Hier nimmt sich Herr Then die Freiheit, mit zweierlei Maßstäben zu messen.

    Warum werden hier einige Mitglieder angegeben, andere aber nicht? Ist Christoph Then als (angestellter?) Geschäftsführer auch Vereinsmitglied? Immerhin ist der Verein seit 2008 als gemeinnützig anerkannt. Auch hier: Keine Antwort. Bei weiteren Recherchen zu Herrn Then und den anderen genannten Personen stößt man (wenn man deren Namen anklickt) auf eine ganze Reihe von Publikationen mit Then als Autor (unter der merkwürdigen Überschrift „Zugehöriger Inhalt“) und, neben einigen biografischen Hinweisen auch, dass er Tierarzt ist. Über seine Tätigkeit bei Greenpeace gibt er an: “From 1999 until 2007 he was Greenpeace Germany’s expert on agriculture, genetic engineering and consumer affairs.” So kann man es natürlich beschreiben. Aber auch so: Er war Kampagnenleiter bei vielen Aktionen gegen gentechnisch veränderte Pflanzen und daraus hergestellte Lebensmittel, Aktionen, die oft die Grenze des Erlaubten bedenkenlos überschritten.

    Es ist allerdings zeitaufwendig, sich exakt über alle Publikationen zu informieren. Da gibt es einmal, wie erwähnt, auf der Home-Page eine Liste von Publikationen, dann eine weitere, die schon im Zusammenhang mit den Informationen zur Person des Herrn Then genannt wurden. Dort ist in der Regel auch der Name der Unterstützer oder Auftraggeber (Personen oder Organisationen) angegeben. Vergleicht man diese Liste mit den Veröffentlichungen, die unter der Home-Page abrufbar sind oder unter „Projekte“ oder unter „Infopoint“ oder unter „Pressemitteilungen“, findet man etliche, die sowohl in der einen wie in der anderen Liste zu finden sind. Das erscheint bisweilen etwas verwirrend.

    Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Leser mit den langen Listen beeindruckt werden sollen. Oder ist das nur „Unaufgeräumtheit“? Egal: Sieht man über die Doppelnennungen hinweg, so bleibt immer noch ein beachtlicher Fundus an Publikationen der unterschiedlichsten Art, Pressemitteilungen, Offene Briefe, Stellungnahmen, Backgrounder und vor allem die für eine breitere gentechnikkritische Öffentlichkeit bestimmten, äußerlich sehr attraktiv gemachten Berichte über spezielle Themen, im typischen Testbiotech-Stil.

    Hier ist nicht der Ort, die Glaubwürdigkeit der Publikationen zu untersuchen. Das muss im Einzelfall geschehen. Bei allen Publikationen von Testbiotech ist Herr Then als Autor oder erster Autor angegeben. Da man bisweilen den Eindruck hat, dass er Veröffentlichungen wie am Fließband herausbringt, fragt man sich natürlich, woher er die Kapazitäten für diese Tätigkeit hat. Bei den für die breite Öffentlichkeit bestimmten Studien im Testbiotech-Stil sind zwar immer Unterstützer oder Auftraggeber genannt. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass das für die übrigen Publikationen ausreicht.

    Fakt ist jedoch, dass sich die große Zahl der gentechnikkritischen Organisationen immer wieder auf diese Publikationen beruft, dass die kritisierten Firmen oder Institute nur in den seltensten Fällen darauf reagieren, und dass Herr Then alles versucht, die Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit von Firmen und vor allem von Zulassungsbehörden in Zweifel zu ziehen. Zudem wird er in Medienberichten, in der Presse ebenso wie im Fernsehen, immer wieder als DER Experte für Grüne Gentechnik zitiert, denn er kommt ja von einem angeblich unabhängigen Institut. Irgendwie muss das doch einem Fachwissenschaftler seltsam vorkommen: In Sachen Expertise spielt es keine Rolle, dass man „vom Fach“ kommt und sich wissenschaftlich bisweilen über Jahrzehnte mit einer bestimmten Materie befasst hat, sondern eher, dass man sich medienwirksam in Szene setzt und einfach mal selbst sagt, was man so alles kann. Gerade Wissenschaftler und Organisationen, die sich mit grüner Gentechnik befassen, sehen sich immer häufiger Diffamierungen und Beschimpfungen ausgesetzt und werden ohne Not verdächtigt, nicht „unabhängig“ und insofern auch nicht glaubwürdig zu sein. Wer hinterfragt das eigentlich bei solchen Personen wie Herrn Then oder Organisationen wie Testbiotech? Reicht es denn wirklich aus, sich einfach vorsorglich selbst „unabhängig“ zu deklarieren und das auch gleich im Namen zu verankern? Ist das nicht klassischerweise eigentlich ein gängiges Tool aus der Werbung? Von dem eigentlich jeder weiß, wie er es zu werten hat? Oder anders: Macht nicht eigentlich genau dieser deutliche Hinweis misstrauisch? Sagen wir mal so: Ginge es um „die anderen“, würde Herr Then diese Fragen vermutlich nicht nur stellen, sondern sogleich auch entsprechend beantworten.

    Im übrigen bleibt immer wieder die Frage: Wie finanziert sich dieser stolze Verein? Nur aus den Zuwendungen der genannten Stiftungen? Oder der Fördermitglieder, deren Zahl nicht angegeben ist? Ein Geschäftsbericht, dem man Einzelheiten zur finanziellen Situation dieses Vereins entnehmen könnte, ist auf seiner Internet-Seite nicht zu finden. Die immer wieder von anderen geforderte Transparenz bleibt da auf der Strecke. Das lädt gerade ein zu Spekulationen. Steht etwa hinter dem Verein eine finanzkräftige, aber nicht genannte Organisation?

  4. torben hoffmeister sagt:

    Aber, aber Herr Langelüddecke, wer wird denn gleich so garstig sein und von Seilschaften sprechen. Es sind doch lediglich Netzwerke, die sich der Aufklärung verschrieben haben. Die gen-ethische Stiftung mit Frau Tippe als Gründerin, zugleich Vereinsmitglied in testbiotech e.V. fördert Testbiotech e.V. und das gen-ethische Netzwerk. Als Unterstützer der Stiftung werden u.a. angegeben: Karl Ludwig Schweisfurth (Herrmansdorfer Landwerkstätten, Schweisfurth-Stiftung), Dr. Vandana Shiva (Physikerin, Navdanyia), Bertram Verhaag (Regisseur, DENKmal-Film), Christine von Weizsäcker (Biologin, Ecoropa). Alles gute bekannte, die sich um die „kritische Aufklärung“ in Sachen Gentechnik verdient gemacht haben. Und als weitere Unterstützerin – man halte sich fest: Dr. Beatrix Tappeser (Molekularbiologin, Bundesamt für Naturschutz). Was wäre da wohl los, wenn andere Vertreter von Bundesbehörden, die im Fokus unserer „Aufklärer“ stehen – Stichwort Kollaboration http://www.testbiotech.de/node/88 – sagen wir mal als Unterstützer der Peter und Traudl Engelhorn Stiftung zur Förderung der Biotechnologie und Gentechnik fungieren würden.
    Halten wir mal fest: Eine Reihe von e.V. und Stiftungen mit – wie Herr Lagelüddecke bereits feststellte – handverlesenen Leuten, die sich gegenseitig fördern und unterstützen. Eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft eben. Dabei legen diese Leute – Stichworte Transparenz und „Kollaboration – andere Maßstäbe an sich als an andere. Dazu fällt mir folgendes ein: http://de.wikipedia.org/wiki/Doppeldenk
    Mit einer Publikation des Vorstandes der Schweisfurth-Stiftung, die den Geist des oben geschilderten Netzwerkes ganz gut wiedergibt, hatten wir uns im transgen – Forum bereits beschäftigt: http://www.transgen.de/forum/viewtopic.php?f=2&t=67&p=352&hilit=Gottwald#p352
    Auch Matthias Boysen von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften hatte dazu Stellung bezogen: http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/000372

  5. dr. bentor sagt:

    Na, na, na,
    wer wird denn gleich die nötige Kontenance vermissen lassen, sollen die Gen-gegner doch auch mal was sagen dürfen, wenn sie gleichzeitig ihr seltenes Hermannsdorfer-Walabirind verzehren.

  6. Dirk Büssis sagt:

    Lieber Stefan,

    der Kasus knacktus ist doch die Formulierung von testbiotech: “unbeabsichtigte Stoffwechselveränderung”. Soweit nur eine Behauptung. Es ist höchste Zeit die “Kollegen” anzufragen, diese zu beweisen. Konkret: fordern wir den Herrn Then doch mal auf nachzuweisen, dass es sich um eine Soffwechselveränderung handelt. Also mit alles wissenschaftlichen Methoden wie:

    - ich sehe eine Veränderung
    - ich habe eine Hypothese: unbeabsichtigte Stoffwechselveränderung
    - ich mache Versuche, diese nachzuweisen
    - ich schliesse aus, dass es sich um biologische Schwankungen handelt
    - also statistische Absicherung (n 3 x 10 an verschiedenen Standorten)
    - ich kann meine Hypothese bestätigen….

    Fordern ist jetzt angesagt. Fordern der Nachweise. Fordern.

    Beste Grüße

    Dirk

  7. André de Kathen sagt:

    …also ich erinnere mich lebhaft an die vehemente Verteidigung des ökologischen Landbaus – gerade mit der Argumentation, die Produkte aus dieser Produktionsweise enthielten…z.B. mehr Vitamin C und mehr Antioxidantien…unbeabsichtigte Stoffwechselveränderungen, deren gesundheitliche Vorteilhaftigkeit unerwiesen ist.
    Andererseits: solche Veränderungen, gerade bei den Fett- und Aminosäuren kratzen m.E. am Konzept der substantial equivalence, wenn die Werte deutlich außerhalb der beobachteten Varianz ist. Da ist es auch egal, ob aus der Mutationszüchtung anderes bekannt ist. Da geht es ja nicht nur um Fett- oder Aminosäuren, sondern das ist ein Indikator für Stoffwechselveränderungen, die an anderer, nicht untersuchter Stelle noch deutlicher sein können.
    Ich teile übrigens die Charakterisierung von Herrn Then

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