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	<title>Gute Gene, schlechte Gene</title>
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	<description>Ein Wissenschaftsblog zur Grünen Gentechnik</description>
	<lastBuildDate>Mon, 05 Sep 2011 06:28:14 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Glyphosat schadet Neugeborenen. Oder Eine postmoderne Toxikologie.</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 06:20:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Torben Hoffmeister</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gentechnik]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Der herbizide Wirkstoff Glyphosat und seine Formulierungen stehen in letzter Zeit vermehrt unter dem Dauerbeschuss von umweltkritischen NGOs. Doch eigentlich geht es dabei gar nicht um das Herbizid und seine vermeintlichen Gefahren, sondern um den damit verbundenen Anbau transgener, herbizidtoleranter Pflanzen. Und zum Anbau transgener Pflanzen und ganz allgemein zur Anwendung dieser Technologie haben ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Der herbizide Wirkstoff Glyphosat und seine Formulierungen stehen in letzter Zeit vermehrt unter dem Dauerbeschuss von umweltkritischen NGOs. Doch eigentlich geht es dabei gar nicht um das Herbizid und seine vermeintlichen Gefahren, sondern um den damit verbundenen Anbau transgener, herbizidtoleranter Pflanzen. Und zum Anbau transgener Pflanzen und ganz allgemein zur Anwendung dieser Technologie haben alle umweltkritischen NGOs eine auffallend einhellige Meinung. Man kann zum großflächigen Anbau herbizidresistenter, in erster Linie Glyphosat-resistenter Sorten von Soja, Mais und Baumwolle, stehen wie man will. Neben den vieldiskutierten Nachteilen wie Zunahme von Monokulturen, Abnahme der Biodiversität, Flächenbereitstellung durch Brandrodung wird auch von Vorteilen wie bodenschonende Anbauverfahren berichtet: &#8220;<a href="http://gmsoydebate.global-connections.nl/sites/gmsoydebate.global-connections.nl/files/library/GMsoja_publicReport.pdf" target="_blank">GM Soy Debate</a>&#8221; von Solidaridad und WWF Niederlande. Aber sind es wirklich Gesundheitsgefahren, die mit dem Einsatz des Herbizides verbunden sind?<span id="more-511"></span>Um diese zu belegen werden einzelne Studien zitiert, wie z.B. die <a href="http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/tx1001749" target="_blank">hier</a>.</p>
<p style="text-align: left;">Dennoch werden dem Wirkstoff nach wie vor von der amerikanischen Umweltbehörde EPA, der EU-Kommission, FAO und WHO eine gute Umweltverträglichkeit und vor allem gesundheitliche Unschädlichkeit bescheinigt: „In summary, numerous comprehensive toxicological studies in animals conducted over many years clearly demonstrate that there are no significant hazards associated with glyphosate exposure. Glyphosate does not cause cancer, birth defects, mutagenic effects, nervous system effects, or reproductive problems” (siehe <a href="http://media.wiley.com/product_data/excerpt/10/04704103/0470410310.pdf" target="_blank">hier</a>, Unterpunkt 1.6).</p>
<p style="text-align: left;">Sind diese staatlichen und internationalen Organisationen alle blind oder ignorant gegenüber den neuen Ergebnissen und lassen sie die Öffentlichkeit bewusst im Unklaren? Das wird häufig unterstellt wie etwa hier: <a href="http://www.scribd.com/doc/57277946/RoundupandBirthDefectsv5" target="_blank">“Roundup and birth defects. Is the public being kept in the dark?“ by Robinson et al</a>.</p>
<p style="text-align: left;">Diese Veröffentlichung einer Organisation mit dem Namen Earth Open Source war Anlass eines Auftrages des Verbraucherschutzministeriums BMVEL an das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung BfR, eine Stellungnahme zu erarbeiten. In dieser leider nur in Englisch vorliegenden Stellungnahme bringt es das BfR auf den Punkt, warum die neuen Veröffentlichungen zu Glyphosat, auf die sich die NGOs berufen, für wissenschaftlich arbeitende Institutionen mit toxikologischem Sachverstand wie z.B. das BfR kein Anlass für eine Neubewertung des Wirkstoffs sein können:</p>
<p style="text-align: left;">„Das BfR kommt zum Schluss, dass der in Frage stehende Bericht der NGO nur wenige neue Fakten enthält und dass dessen relevante Aspekte in der gesundheitlichen Bewertung des Wirkstoffes Glyphosat durch verschiedene internationale Gremien bereits Berücksichtigung fanden. Der wesentliche fachliche Dissens besteht dagegen in einem grundlegend unterschiedlichen wissenschaftlichen Ansatz zu der Bewertung gesundheitlicher Risiken von Chemikalien. Solche Paradigmenwechsel sollten nach Ansicht des BfR erst von der Fachwelt geprüft und auch in internationalen Gremien auf ihre Notwendigkeit hin diskutiert werden.“ <a href="http://www.bfr.bund.de/cm/343/neue_daten_zu_gesundheitlichen_aspekten_von_glyphosat.pdf" target="_blank">Hier nachzulesen</a>.</p>
<p style="text-align: left;">Unverständlicherweise hält sich das BfR in seiner Kritik an den Behauptungen der Autoren sehr zurück und beschränkt sich in der Zusammenfassung auf die Feststellung, dass der Argumentation nur gefolgt werden kann, wenn bei international anerkannten Prinzipien zur toxikologischen Bewertung von Chemikalien ein Paradigmenwechsel zugelassen wird. Ansätze einer solchen Politik waren auch zu beobachten in der Diskussion um die neue EU-Pflanzenschutzmittel-Richtlinie vor zwei Jahren. Schon damals hatte sich der BfR-Präsident Andreas Hensel gegen einen solchen Paradigmenwechsel ausgesprochen: <a href="http://www.welt.de/welt_print/article3014815/Dann-muessten-wir-das-Grillen-verbieten.html" target="_blank">siehe Interview</a>.</p>
<p style="text-align: left;">Doch weiter zur aktuellen Stellungnahme des BfR. Ebenfalls zurückhaltend ausgedrückt ist die folgende Generalkritik: „The crucial point in the report is the use that is made of existing knowledge.“ Gemeint ist eine einseitige Deutung und Auswahl von Wissen und der dafür herangezogenen Literatur. Das ist eigentlich eine übliche Vorgehensweise der Meinungsmanipulation wie sie regelmäßig in der Diskussion um die vermeintlichen Gefahren der Gentechnik zu beobachten ist.</p>
<p style="text-align: left;">Im Einzelnen führt die BfR-Stellungnahme folgende Hauptkritikpunkte an den von den NGOs zitierten Untersuchungen zu Glyphosat auf:</p>
<p style="text-align: left;">1. Die losgelöste Betrachtung von in vitro-Studien, obwohl zahlreiche in vivo-Studien vorliegen, die die reklamierten Effekte auf den Gesamtorganismus nicht bestätigen.</p>
<p style="text-align: left;">Es ist das gleiche irreführende Prinzip, das auch bei zahlreichen anderen „kritischen“ Studien angewandt wurde. Erinnert sei hier an die Seralini-Publikation zum „Baden“ empfindlicher Zellkulturen in einer Herbizidformulierung: <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19105591" target="_blank">abstract</a>.</p>
<p style="text-align: left;">Die extrem artifiziellen Bedingungen des Versuches wurden im <a href="http://www.gruene-gentechnik.de/forum_archiv/index.php?f=1&amp;i=8309&amp;t=8309&amp;v=f&amp;inc=read" target="_blank">transgen-Forum 2009</a> bereits diskutiert<br />
und durch die <a href="http://www.ages.at/ages/landwirtschaftliche-sachgebiete/pflanzenschutzmittel/aktuelles/ages-zu-glyphosat/stellungnahme-der-ages-zur-toxizitaet-von-glyphosat/" target="_blank">Österreichische AGES</a> entsprechend als unwissenschaftlich bewertet.</p>
<p style="text-align: left;">2. Die Leugnung einer Dosisabhängigkeit schädlicher Effekte und die Propagierung eines „geringen Dosis-Konzeptes“, das dem toxikologischen Sachverstand nicht entspricht. Es ist der Versuch der Glyphosat-Kritiker, das bereits seit dem späten Mittelalter bekannte toxikologische Prinzip „Die Dosis macht das Gift“ anzuzweifeln und eine durch Daten nicht untersetzte Hypothese der Wirkung geringster Dosen in die Welt zu setzen &#8211; eine der Homöopathie entliehene unwissenschaftliche Herangehensweise.</p>
<p style="text-align: left;">3. Die Leugnung der Relevanz historischer Daten.</p>
<p style="text-align: left;">Gemeint ist hiermit, dass in dem Report einfach unterschlagen oder es angezweifelt wird, dass vorliegende epidemiologische Daten keinen Hinweis auf die behaupteten Fruchtschädigungen geben.</p>
<p style="text-align: left;">4. Die Verunglimpfung von GLP-Prinzipien (good laboratory practice – ein auditierter Standard zur Qualitätssicherung von Laborergebnissen) bei der Untersuchung toxikologischer Fragestellungen als „Tyrannei“ untersetzt mit dem allseits bekannten „Argument“ der industriellen Beeinflussung und der Forderung „unabhängiger Forschung“ mehr Gewicht zu verleihen.</p>
<p style="text-align: left;">Mit Unabhängigkeit kann dann wohl nur das Verlassen allgemein anerkannter wissenschaftlicher Prinzipien gemeint sein.</p>
<p style="text-align: left;">5. Die Betonung oder die bewusste Schwerpunktlegung in den zur Auswahl stehenden Expositionspfaden von Chemikalien auf den sehr unwahrscheinlichen Injektionspfad.</p>
<p style="text-align: left;">Eine der Studien, die das Prinzip der Injektion offenbar zum Goldstandard toxikologischer Forschung erhoben hat und die im Mittelpunkt der Glyphosat-Kritik steht, wurde bereits <a href="http://www.transgen.de/forum/viewtopic.php?f=2&amp;t=158" target="_blank">im transgen-Forum</a> ausgiebig diskutiert.</p>
<p style="text-align: left;">Obgleich eigentlich ein Totalverriss des Reports von <a href="http://www.gmwatch.org/latest-listing/1-news-items/13228-public-kept-in-the-dark-on-roundup-link-with-birth-defects-new-report" target="_blank">Robinson et al.</a> (eine GM-watch – Aktivistin) angesagt wäre, bemerkt das BfR am Anfang und am Ende etwas verschämt: „An adequate response to the criticism and the many accusations in the report would require a general discussion of the established paradigms for the toxicological evaluation of chemicals.“</p>
<p style="text-align: left;">Möchte das BfR einen solchen Paradigmenwechsel hin zur unwissenschaftlichen Betrachtungsweise, indem es die Diskussion dazu selbst anstößt?</p>
<p style="text-align: left;">Auch diese Bemerkung liest sich eher wie eine Kapitulationserklärung: „In the given timeframe, it is not possible to address all the points and questions that are brought up in the report and to respond adequately and precisely to the many accusations therein.“</p>
<p style="text-align: left;">Muss man denn auf alle Punkte des Reports eingehen, wenn an vielen Stellen gezeigt wurde, dass Prinzipien wissenschaftlicher Arbeit verletzt wurden?</p>
<p style="text-align: left;">Angesichts des Generalangriffs auf diese Prinzipien ist die Stellungnahme einer der Wissenschaftlichkeit verpflichteten Bundesbehörde zu handzahm. Dazu passt auch die Veröffentlichung in englischer Sprache. Es ist wohl nicht ganz von der Hand zu weisen, dass in den von der Parteienlandschaft in der Besetzung von Spitzenpositionen abhängigen Bundesbehörden die Angst vor den NGO-Sittenwächtern tief sitzt.</p>
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		<title>Ein europäisches Gesetzgebungs-Paradoxon</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Aug 2011 12:40:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Torben Hoffmeister</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[Verfahren]]></category>
		<category><![CDATA[Züchtung]]></category>

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		<description><![CDATA[Stefan Rauschen hat es in seinem blog-Beitrag zu den „unerwünschten Inhaltsstoffen“ thematisiert. Ich will es weiter ausbauen.
Das Thema: Warum werden gentechnisch veränderte Pflanzen einem monströsen Zulassungsverfahren und einer extensiven Risikoabschätzung unterworfen, während durch „klassische“ Verfahren wie Mutagenese erzeugte Pflanzen außer einer Sortenzulassung keinen Regularien unterliegen? Dasselbe gilt für moderne Verfahren der molekularen Pflanzenzüchtung wie ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left">Stefan Rauschen hat es in seinem blog-Beitrag zu den „<a href="http://gute-gene-schlechte-gene.de/unerwunschte-inhaltsstoffe/" target="_self">unerwünschten Inhaltsstoffen</a>“ thematisiert. Ich will es weiter ausbauen.</p>
<p style="text-align: left">Das Thema: Warum werden gentechnisch veränderte Pflanzen einem monströsen Zulassungsverfahren und einer extensiven Risikoabschätzung unterworfen, während durch „klassische“ Verfahren wie Mutagenese erzeugte Pflanzen außer einer Sortenzulassung keinen Regularien unterliegen? <span id="more-496"></span>Dasselbe gilt für moderne Verfahren der molekularen Pflanzenzüchtung wie z.B. tilling (<a href="http://www.biosicherheit.de/aktuell/150.tilling-alternative-gentechnik.html" target="_blank">&#8220;Tilling: Die „gute“ Alternative zur Gentechnik?&#8221;</a> ). Auch beim tilling gibt es die Mutagenese-Anwendung, die Suche nach der gewünschten Mutation erfolgt durch Anwendung molekulargenetischer Methoden jedoch zielgerichteter. Wenig zielgerichtet sind jedoch die Mutationen, egal ob unter Anwendung chemischer Substanzen wie Ethylmethansulfonat (EMS) oder unter Anwendung von Gamma-Strahlung. Die Mehrzahl der heute verwendeten Durum-Weizensorten und alle Braugerstensorten gehen auf eine solche Behandlung zurück (siehe <a href="http://www.lfl.bayern.de/ipz/biotechnologie/16021/linkurl_0_2.pdf" target="_blank">„Stand und Perspektiven der Grünen Gentechnik in Bayern“</a> S. 7).</p>
<p style="text-align: left">Trotzdem darf sich damit gebrautes Bier mit solchen Etiketten schmücken wie “Reinheitsgebot” oder auch “Bio”.  Bei den anschließend in Verkehr gebrachten Sorten wird nicht untersucht, welche Mutationen noch vorhanden sind und welche Inhaltsstoffe dadurch verändert wurden. Man vertraut blind. Zumindest in Europa. Hier werden stattdessen Glaubenskriege um den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen geführt, die mitunter keine anderen Merkmale aufweisen als die mit Hilfe unregulierter Techniken erschaffenen. Die Diskussion wurde am Beispiel der Kartoffel im Transgen-Forum schon geführt: <a href="http://www.transgen.de/forum/viewtopic.php?f=2&amp;t=40&amp;p=338&amp;hilit=Kartoffel+tilling#p338" target="_blank">„tilling, smart breeding &amp; gentechnik“.</a></p>
<p style="text-align: left">Aber das ist nicht überall so. In Kanada umfasst die Zulassungspraxis alle Pflanzen mit neuen Eigenschaften (PNT: Plants with Novel Traits). Hier sind einige Beispiele:<br />
Der sogenannte Clearfield-Weizen wurde durch chemische Mutation erzeugt: <a href="http://www.inspection.gc.ca/english/plaveg/bio/dd/dd0447e.shtml" target="_blank">Decision Document Wheat AP205CL</a><br />
Ebenso der Clearfield-Senf: <a href="http://www.inspection.gc.ca/english/plaveg/bio/dd/dd0873e.shtml#a3" target="_blank">Decision Document Indian Mustard Event S006</a><br />
oder die ExpressSun – Sonneblume: <a href="http://www.inspection.gc.ca/english/plaveg/bio/dd/dd0869e.shtml" target="_blank">Decision Document SU7</a></p>
<p style="text-align: left">Zulassungsvoraussetzung sind u.a. durch den Antragsteller vorzunehmende Untersuchungen zu den Inhaltsstoffen. Im Fall des Senf wird dann von folgendem Ergebnis berichtet: „Apart from eicosenoic (gadoleic) acid, there were no statistically significant differences between B. juncea event S006 and Arid for palmitic, palmitoleic, stearic, oleic, linoleic, linolenic, arachidic, lignoceric and nervonic acids. Eicosenoic acid for both B. juncea event S006 and its control were within literature values.”</p>
<p style="text-align: left">Und die Untersuchung der Sulfonylharnstoff-toleranten Sonnenblume ExpressSun ergab u.a. folgendes Ergebnis: &#8220;Except for Vitamin B2, there were no statistically significant differences between ExpressSun™ sunflower SU7 and control meal for all minerals analyzed. The statistical difference between ExpressSun™ sunflower SU7 and the control for Vitamin B2 was determined to not be biologically relevant.&#8221; Also eine statistisch signifikante Abweichung im Gehalt von Vitamin B2, die zudem nicht durch Literaturangaben gedeckt ist, aber als biologisch nicht relevant eingeschätzt wird.</p>
<p style="text-align: left">Das wäre doch ein Thema für testbiotech ! Es ist ja schließlich keine andere Aussage wie im Fall der gentechnisch veränderten Sojabohne 356043, bei der auch signifikante Änderungen im Gehalt von Fettsäuren auftraten. Es ist aber kein Thema für Testbiotech, weil einzig die angewandte Methode darüber entscheidet, ob etwas skandalisiert wird oder nicht.</p>
<p style="text-align: left">Clearfield-Weizen und -Senf sind gegenüber der Herbizidklasse der Imidazolinone tolerante Sorten. Nur dass auch hier keine Skandalisierungen wie im Fall von Glyphosat-toleranten Kulturen zu befürchten sind, denn es ist ja keine Gentechnik. Eigentlich müssten die Gentechnikkritiker über eine gegen Imazamox tolerante Pflanze hocherfreut sein, sind doch die toxikologischen Parameter noch harmloser als im Fall von Glyphosat. (<a href="http://ec.europa.eu/sanco_pesticides/public/?event=activesubstance.selection&amp;a=1" target="_blank">EU Pesticides database</a> /<br />
(<a href="http://ec.europa.eu/food/plant/protection/evaluation/existactive/list1_glyphosate_en.pdf" target="_blank">European Commission: &#8220;Review report for the active substance glyphosate&#8221;</a>)</p>
<p style="text-align: left">Ich will hier auf keinen Fall eine Ausweitung der bei Anwendung von Gentechnik erforderlichen monströsen Zulassungsverfahren auch auf andere Methoden fordern. Die Beispiele sollen zeigen, dass im Fall der Gentechnik mehr Augenmaß gelten sollte und die Frage nach der Notwendigkeit eines Zulassungsverfahrens nicht an der Methode, sondern am Ergebnis festgemacht werden muss. Aber da fühlt man sich als Biologe wie ein Rufer in der Wüste, gilt doch das unumstößliche Bauchgefühl-Dogma Gentechnik sei etwas qualitativ besonderes, weil Artgrenzen überschritten werden. Als wenn es keine Überschreitung der Artgrenzen beim Austausch von Erbinformation in der Natur gäbe! Und dann gibt es da noch diverse EU-Richtlinien und nationale Gentechnikgesetze, die inzwischen ihre Eigendynamik entwickelt haben und noch schwerer zu korrigieren sind als Dogmen (<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/urteil-zur-gentechnik-karlsruhe-bleibt-gentechnisch-unveraendert-1.1027746" target="_blank">&#8220;Karlsruhe bleibt gentechnisch unverändert&#8221;, SZ 24.11.2010</a>).</p>
<p style="text-align: left">Bei solchen Maßstäben sind die Versuche eines Craig Venter zur synthetischen Erschaffung von Bakterien reines Teufelszeug (<a href="http://www.guardian.co.uk/science/2010/may/20/craig-venter-synthetic-life-form" target="_blank">&#8220;Craig Venter creates synthetic life form&#8221;, The Guardian 20.05.2010</a>)  oder auch die erwogene Einsatz der synthetischen Biologie bei der Bekämpfung hartnäckiger Pathogene (<a href="http://www.nature.com/msb/journal/v7/n1/full/msb201155.html" target="_blank">&#8220;Engineering microbes to sense and eradicate Pseudomonas aeruginosa, a human pathogen&#8221; in nature</a>). Wenn noch nicht einmal vergleichbar einfache Fragen zur Sicherheit von gentechnisch veränderten Pflanzen in überschaubaren Zeiträumen gesellschaftlich gelöst werden können, wie steht es dann mit der Umsetzung der Ideen zur synthetischen Biologie?</p>
<p style="text-align: left">Aber man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben. Auch das zentrale Dogma der Molekulargenetik von 1958 musste aufgrund der Realität korrigiert werden.</p>
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		<title>&#8220;Unerwünschte Inhaltsstoffe&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Aug 2011 09:20:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Rauschen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Greenpeace und Co]]></category>
		<category><![CDATA[EFSA]]></category>
		<category><![CDATA[Panikmache]]></category>
		<category><![CDATA[TestBiotech]]></category>

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		<description><![CDATA[Der (Des)Informationsdienst Gentechnik, der hier bereits öfter wegen panischer Meldungen zitiert wurde, hält sich diesmal in seiner aktuellen Meldung sogar ein wenig zurück:

"Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erklärte Ende  Juli zwei neue gentechnisch veränderte Sojabohnenpflanzen mit  unbeabsichtigten Stoffwechselveränderungen für unbedenklich."
Hervorhebung durch mich.
Zurück geht dies auf eine Pressemitteilung des Vereins TestBiotech e.V., ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Der (Des)Informationsdienst Gentechnik, der hier bereits öfter wegen panischer Meldungen zitiert wurde, hält sich diesmal in <a href="http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/24239.html" target="_blank">seiner aktuellen Meldung</a> sogar ein wenig zurück:</p>
<blockquote style="text-align: left;"><p>&#8220;Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erklärte Ende  Juli zwei neue gentechnisch veränderte Sojabohnenpflanzen mit  <strong>unbeabsichtigten Stoffwechselveränderungen</strong> für unbedenklich.&#8221;</p></blockquote>
<p style="text-align: left;">Hervorhebung durch mich.</p>
<p style="text-align: left;">Zurück geht dies auf eine <a href="http://www.testbiotech.org/node/530" target="_blank">Pressemitteilung des Vereins TestBiotech e.V.</a>, der in seiner Überschrift von &#8220;unerwünschten Inhaltsstoffen&#8221; spricht:</p>
<blockquote style="text-align: left;"><p>&#8220;Bei Soja 356043 der Firma Dupont/Pioneer wurden <strong>zu hohe Gehalte an  verschiedenen Fett- und Aminosäuren festgestellt</strong>, bei Soja MON87701 der  Firma Monsanto hat sich durch den Eingriff in das Genom der Pflanzen <strong>der  Vitamin-E-Gehalt in den Pflanzen verändert</strong>.&#8221;</p></blockquote>
<p style="text-align: left;">Hervorhebungen durch mich.</p>
<p style="text-align: left;">Beschäftigt man sich nun etwas näher mit der Materie, und von einem ausgebildeten <a title="Dr. Christoph Then" href="http://www.testbiotech.org/user/6" target="_blank">Dr. med. vet.</a>, einem <a title="Andreas Bauer-Panskus" href="http://www.testbiotech.org/user/12" target="_blank">&#8220;Experten&#8221; für Gentechnik</a>,  und sogar drei Biologen (<a title="Dr. Hartmut Mayer" href="http://www.testbiotech.org/user/10" target="_blank">ein promovierter</a>, <a title="Christoph Potthof" href="http://www.testbiotech.org/user/8" target="_blank">zwei</a> <a title="Ruth Tippe" href="http://www.testbiotech.org/user/9" target="_blank">weitere</a>) darf man sowas ja durchaus verlangen, stellt man fest, dass es irgendwie gar nicht so schlimm und eigentlich total Quatsch ist.</p>
<p style="text-align: left;"><span id="more-492"></span>In seiner <a title="Scientific opinion der EFSA zur Sojabohne von Pioneer" href="http://www.efsa.europa.eu/en/efsajournal/doc/2310.pdf" target="_blank">wissenschaftlichen Stellungnahme</a> zum Zulassungsantrag für die Sojabohne 356043 der Firma Pioneer stellt die EFSA fest:</p>
<blockquote style="text-align: left;"><p>&#8220;The EFSA GMO Panel concludes that no differences were identified between 356043 soybean and its conventional counterpart, except for the newly expressed proteins, for higher levels of the acetylated amino acids N-acetylaspartate (NAA) and N-acetylglutamate (NAG), and the odd-chain fatty acids heptadecanoic, heptadecenoic and heptadecadienoic acid in seed from 356043 soybean. The levels of these acetylated amino acids and odd chain fatty acids fall outside the natural ranges observed for other commercial non-GM soybean varieties.&#8221;</p></blockquote>
<p style="text-align: left;">Es wurden also von den Aminosäuren N-Acetylaspartat und N-Acetylglutamat, sowie von drei Fettsäuren erhöhte Gehalte gefunden im Vergleich zu anderen Sojabohnen. Diese lagen sogar ausserhalb des Spektrums der zum Vergleich herangezogenen Sorten.</p>
<p style="text-align: left;">Im Kapitel 4 der Stellungnahme ist zu lesen, dass die GV Sorte mit ihrer Ausgangslinie und weiteren konventionellen Sorten in ihrer Zusammensetzung verglichen wurde. Angegeben ist, dass die Daten zu den Referenzsorten zum einen aus der Literatur stammen, zum anderen aus einer einjährigen Studie mit 4 konventionellen Sorten. Für eine der Fettsäuren wurden weitere neuere Daten von 8 weiteren konventionellen Sorten berücksichtigt:</p>
<blockquote style="text-align: left;"><p>&#8220;Consistent statistically significant compositional differences between 356043 soybean and its conventional counterpart were found for the odd chain fatty acids heptadecanoic, heptadecenoic and heptadecadienoic acid, independently of the herbicide treatment regime. Levels determined for 356043 soybean were around two to three times higher than those observed for the conventional counterpart and outside the ranges observed for other commercial soybean varieties (Table 2). The range for heptadecadienoic acid in commercial soybeans was determined by the applicant by analysis of material obtained from eight soybean varieties grown in three field studies in the US and Canada (2007, 2009).&#8221;</p></blockquote>
<p style="text-align: left;">Nun  stellt man sich unweigerlich die Frage: ist das schlimm?</p>
<p style="text-align: left;">Ich würde sagen: Nein! Und zwar aus einem einfachen Grund: Sorten unterscheiden sich immens bezüglich ihrer Inhaltsstoffe. Und selbst Pflanzen derselben Sorte unterscheiden sich immens, je nachdem, wo und wann und unter welchen Bedigungen sie angebaut worden sind.</p>
<p style="text-align: left;">So zeigt <a href="http://pubs.acs.org/doi/pdf/10.1021/jf00053a012" target="_blank">diese Arbeit aus dem Jahr 1995</a> sehr anschaulich, dass hinsichtlich der Gehalte an verschiedenen Fettsäuren die Sorten, die am Anbau herrschenden Temperaturen und auch Wechselwirkungen zwischen beiden einen signifikanten Einfluss auf die Fettsäuregehalte haben. Die Unterschiede liegen hier auch bei größer als Faktor 2. Nichts ungewöhnliches also.</p>
<p style="text-align: left;">Wie man bei der North Carolina State University <a href="http://www.soybean.ncsu.edu/soyvar/Varieties.asp" target="_blank">online nachsehen kann</a>, gibt es allein in diesem Bundesstaat weit über 200 verschiedene Sorten, die dort üblicherweise angebaut werden. Leider habe ich nichts gefunden, woraus hervorginge, wieviele Sorten es so insgesamt gibt.</p>
<p style="text-align: left;">Diese Sorten sind mit Sicherheit nicht alle charakterisiert: warum sollte man das bei konventionell gezüchteten Pflanzen auch tun und veröffentlichen? Schließlich müssen diese nicht sicherheitsbewertet werden &#8211; ein öffentliches Interesse an diesen Daten ist nicht gegeben. Klar ist es für einen Züchter sicher interessant und vielleicht sogar ausschlaggebend, wie hoch der Gesamtgehalt der Fettsäuren und auch der Gehalt einzelner Fettsäuren in seinen Sorten ist. Und somit dürften hierzu sicherlich Daten bei Züchtern vorhanden sein. Nur öffentlich zugänglich sind sie nicht &#8211; und damit bleibt die Variabilität über das gesamte Spektrum in Dunklen. Hier deswegen dann Panik zu schieben, ist unangebracht.</p>
<p style="text-align: left;">Zumal Fettsäuren natürlicher Bestandteil von Sojabohnen sind. Und gesund!</p>
<p style="text-align: left;">Gleiches gilt natürlich auch für Aminosäuren! Auch diese schwanken in ihren Gehalten immens, und Sorten unterscheiden sich. <a href="http://www.springerlink.com/content/g06037p568307556/" target="_blank">Hier eine Arbeit</a>, die die Auswirkungen von unterschiedlichen Temperaturen auf die Aminosäuregehalte untersucht hat. Die Unterschiede sind jetzt nicht enorm. Aber die Studie zeigt, dass ein einzelner Faktor sich immens auswirken kann. Und da sich Sorten immens voneinander in der Genetik unterscheiden (können), tun sie dies natürlich auch in ihren Inhalten.</p>
<p style="text-align: left;">Nicht umsonst gibt es Allergiker, die manche Apfelsorten vertragen, und andere nicht. Wenn alle Apfelsorten gleich wären, müssten Allergiker absolut verzichten. Dass dem nicht so ist zeigt klar, wie variabel unsere Sorten sind. Daraus abzuleiten, es gäbe eine Gefährlichkeit, ist weit aus dem Fenster gelehnt.</p>
<p style="text-align: left;">Bei der zweiten von TestBiotech e.V. kritisierten Sojabohne, MON 87701 von Monsanto, wird es allerdings erst richtig wild. Die EFSA schreibt in der Zusammenfassung der <a href="http://www.efsa.europa.eu/en/efsajournal/doc/2309.pdf" target="_blank">wissenschaftlichen Stellungnahme</a>:</p>
<blockquote style="text-align: left;"><p>&#8220;The EFSA GMO Panel compared the composition, phenotype and agronomic characteristics of soybean MON 87701 and its conventional counterpart (A5547), assessed all statistical differences identified, and came to the conclusion that soybean MON 87701 is compositionally not different from its conventional counterpart except for having an increased vitamin E content (still within the normal range of soybeans) and expressing the Cry1Ac protein.&#8221;</p></blockquote>
<p style="text-align: left;">In Kapitel 4 wird dazu ausgeführt:</p>
<blockquote style="text-align: left;"><p>&#8220;The only case where the difference was appreciable was vitamin E (23.2 % increase); the vitamin E level was significantly higher in soybean MON 87701 than in its conventional counterpart at four of the five field trial sites (17-37 %). In all cases except one, the level of vitamin E and all other measured compounds were within the range defined by the commercial reference varieties included in the study and reported by the ILSI crop composition database (Ridley et al., 2004) or the USDA-ISO (2006) isoflavone database.&#8221;</p></blockquote>
<p style="text-align: left;">Der Vitamin E Gehalt war also um 23,2% erhöht, und zwar an vier von fünf untersuchten Standorten (Schwankungsbreite der Abweichungen: 17 -37%). Der Gehalt war aber immer noch in der Spannbreite, die für Soja bislang berichtet wurde.</p>
<p style="text-align: left;">Auch hier wird man sagen? Ja und? Gehalt von einem gesunden Inhaltsstoff leicht erhöht? Wo ist das Problem?</p>
<p style="text-align: left;">Darum geht es den Damen und Herren von TestBiotech e.V. natürlich nicht, was aus ihrer Pressemitteilung auch ganz klar heraus kommt:</p>
<blockquote style="text-align: left;"><p>&#8220;Für Testbiotech zeigen diese Fälle grundsätzliche Probleme der  Agrogentechnik und der Risikobewertung durch die EFSA auf: „Die Gene  werden per Schrotschussverfahren ungezielt ins Erbgut eingeschleust und  ihre Aktivität wird technisch erzwungen. Ungewollte Auswirkungen auf den  Stoffwechsel der Pflanzen lassen sich nicht vorhersagen und nicht  verhindern. Gentechnisch veränderte Pflanzen weisen deshalb spezifische  und andere Risiken auf als Pflanzen aus konventioneller Zucht“, sagt  Christoph Then von Testbiotech. „Die EFSA geht bei ihrer Prüfung aber  von einer Gleichwertigkeit aus.“&#8221;</p></blockquote>
<p style="text-align: left;">Gentechnik ist also per se gefährlich und hat immanent andere Risiken, als die konventionelle Züchtung. So zumindest Dr. med. vet. Christoph Then.</p>
<p style="text-align: left;">Korrekt ist: bei der Pflanzenbiotechnologie kann man Gene per Schrottschuss in das Genom einfügen.<strong> Man kann es aber auch ganz anders machen und die Methoden werden immer gezielter und feiner</strong> (und sind mittlerweile so weit entwickelt, dass man darüber diskutieren muss, ob der entstehende Organismus überhaupt noch ein GVO nach Definition des Gesetzes ist, oder nicht). Hier wird ein typisches Bild gezeichnet, von Gentechnologie als kruder Versuch, in das Genom einzugreifen. Da ist man bei TestBiotech e.V. nicht auf der Höhe der Zeit.</p>
<p style="text-align: left;">Korrekt ist: Auswirkungen auf Eigenschaften im komplexen Gefüge lassen sich nicht zwingend vorhersagen. <strong>Aber dafür werden sie bei den gentechnisch veränderten Pflanzen ja auch geprüft</strong> (wie die beiden EFSA Gutachten beweisen). Bei konventionell gezüchteten Pflanzen wird das nicht gemacht.</p>
<p style="text-align: left;">Und das ist deswegen ein wichtiger Punkt, weil hier nämlich TestBiotech e.V. irrt. <strong>Es gibt von den genomischen Mechanismen keinen Unterschied zwischen den GV Pflanzen und den konventionell gezüchteten Pflanzen.</strong> Dies hat Prof. Werner Arber immer wieder versucht, klarzustellen. Zuletzt in <a href="http://biologia.unmsm.edu.pe/documentos_transg/doc_transg/x18.pdf" target="_blank">diesem Paper</a>:</p>
<blockquote style="text-align: left;"><p>&#8220;By comparing strategies of genetic alterations introduced in genetic engineering with spontaneously<br />
occurring genetic variation, we have come to conclude that both processes depend on several distinct<br />
and specific molecular mechanisms. These mechanisms can be attributed, with regard to their<br />
evolutionary impact, to three different strategies of genetic variation. These are local nucleotide<br />
sequence changes, intragenomic rearrangement of DNA segments and the acquisition of a foreign DNA<br />
segment by horizontal gene transfer. Both the strategies followed in genetic engineering and the<br />
amounts of DNA sequences thereby involved are identical to, or at least very comparable with, those<br />
involved in natural genetic variation. Therefore, conjectural risks of genetic engineering must be of the<br />
same order as those for natural biological evolution and for conventional breeding methods. These risks<br />
are known to be quite low.&#8221;</p></blockquote>
<p style="text-align: left;">Bei der konventionellen Züchtung werden ganze Genome neu kombiniert. Es können Brüche entstehen, Deletionen, Substitutionen, springende Gene hüpfen kreuz und quer im Genom herum. Keiner kann vorhersagen, was dabei passiert. Das macht das Züchten von neuen Sorten ja so immens zeit- und kostenintensiv: man muss sehr viele Kreuzungen durchführen und anschließend viele Kreuzungslinien auf ihre Eigenschaften prüfen. Und heutzutage wird das mit den modernen Methoden der Genetik und Bioinformatik gemacht. Die Datenberge, die dabei entstehen, sind gewaltig.</p>
<p style="text-align: left;">Und nicht vergessen sollten wir, dass die Mutagenese Züchtung auch zu den &#8220;konventionellen&#8221; Züchtungsverfahren gehört. Weit <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Mutation_breeding" target="_blank">über 2000 Sorten</a> sind durch Mutagenese weltweit gezüchtet worden. Und Mutagenese wirkt sich bedeutend stärker auf die Regulation des Genoms aus, als bei der Gentechnik verwendete Methoden. Wurde <a href="http://www.pnas.org/content/105/9/3640.abstract" target="_blank">2008 in PNAS veröffentlicht</a>. Und mit Hartweizen gibt es nunmal eine Pflanze, die <a href="http://www.springerlink.com/content/j6l8hg7269684684/" target="_blank">sehr intensiv mit Mutagenese züchterisch bearbeitet wurde</a>. Aus diesen Sorten und ihren Abkömmlingen wird heute Pasta gemacht!</p>
<p style="text-align: left;">Aber eine Risikobewertung, wie bei den GV Pflanzen, ersparen wir uns hier. Warum? Weil wir aus Erfahrung wissen, dass das Risiko minimal ist. Wir betreiben Pflanzenzucht seit Jahrhunderten, wissenschaftlich seit vielen Jahrzehnten. Die Fälle, in denen etwas Schlimmes geschehen wäre, waren äusserst wenige &#8211; zumal meist abzusehen war, worauf man achten musste (Solanin bei Kartoffeln zum Beispiel).</p>
<p style="text-align: left;">Das kombinierte Wissen aus konventioneller Pflanzenzucht und Jahrzenten der Pflanzenbiotechnologie-Forschung zeigen klar, dass die hier argumentierte Sichtweise Panikmache ist. Mit einem wissenschaftlichen balancierten Standpunkt hat das nichts zu tun. Das muss aber nicht verwundern, wenn man die <a href="https://www.testbiotech.org/spenden" target="_blank">Unterstützer des TestBiotech e.V.</a> unter die Lupe nimmt. Aber davon kann sich ja jeder selbst ein Bild und eine Meinung machen.</p>
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		<title>Mythen und Legenden (Teil 3)&#8230;</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Aug 2011 11:26:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Rauschen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Ertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Bt-Baumwolle]]></category>
		<category><![CDATA[Indien]]></category>
		<category><![CDATA[Kontroversen]]></category>

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		<description><![CDATA[...sind ja gerade mein Thema.
Da aktuell der (Des)Informationsdienst Gentechnik über landesweite Proteste in Indien berichtet, nehme ich mich heute des Themas "Bt-Baumwolle in Indien" an: funktioniert Bt-Baumwolle in Indien, oder doch nicht? Bringen sich tatsächlich so viele Landwirte wegen Bt-Baumwolle um, wie von Dr. Vandana Shiva häufig behauptet (hier ganz aktuell, oder hier, vor ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230;sind ja gerade mein Thema.</p>
<p style="text-align: left;">Da aktuell der (Des)Informationsdienst Gentechnik über <a title="Meldung des (Des)Informationsdienstes Gentechnik" href="http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/24223.html" target="_blank">landesweite Proteste in Indien</a> berichtet, nehme ich mich heute des Themas &#8220;Bt-Baumwolle in Indien&#8221; an: funktioniert Bt-Baumwolle in Indien, oder doch nicht? Bringen sich tatsächlich so viele Landwirte wegen Bt-Baumwolle um, wie von Dr. Vandana Shiva häufig behauptet (<a title="Dr. Vandana Shiva im Interview" href="http://www.kontext-tv.de/node/137" target="_blank">hier ganz aktuell</a>, oder <a href="http://www.celsias.com/article/monsantos-bt-cotton-indian-cotton-farmers-commit-s/" target="_blank">hier</a>, <a href="http://www.zivilcourage.ro/pdf/07-09-Indien-Shiva.PDF" target="_blank">vor einigen Jahren</a> in Deutschland, auf der <a href="http://www.arte.tv/de/3794728,CmC=3802128.html" target="_blank">Webseite von Arte</a>)?<br />
Was ist dran an diesen Behauptungen?</p>
<p style="text-align: left;"><span id="more-486"></span><a href="http://www.tis-gdv.de/tis/ware/fasern/baumwoll/baumwoll.htm" target="_blank">Baumwolle</a> ist ein wichtiges landwirtschaftliches Produkt. Die daraus hergestellten Textilien kleiden uns (oder sie verunstalten, je nach Geschmack), und es lässt sich jede Menge Geld mit ihnen verdienen (zumindest sind die Preise für manche Waren horrend). Produziert und gehandelt wird sie weltweit in großen Mengen. Zahlen dazu liefert zum Beispiel die Statistikstelle der Food and Agriculture Organisation der UN:</p>
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<p>(Quelle: http://faostat.fao.org/site/342/default.aspx)</p>
<p style="text-align: left;">Die aktuellen Zahlen reichen zwar nur bis 2008, aber immerhin. Es ist erkennbar, dass Indien auf Platz 3 der größten Baumwollproduzenten steht, hinter Brasilien und den USA. Und das gilt sowohl in Bezug auf die reine Menge in Tonnen, als auch für den Weltmarktwert in USD.</p>
<p style="text-align: left;">Weltweit liegt dabei der Flächenanteil von gentechnisch veränderten (GV) Baumwollsorten <a title="Transgen zu GV Flächenanteilen weltweit" href="http://www.transgen.de/anbau/eu_international/531.doku.html" target="_blank">bei über 60%</a>. In den USA, Brasilien und Indien liegt dabei der Anteil teilweise bei über 90%. Die GV Baumwolle scheint dabei so gut anzukommen, dass sie sogar schonmal <a href="http://www.zeit.de/wissen/2010-01/bio-baumwolle-gentechnik-betrug" target="_blank">unter Bio-Baumwolle untergeschummelt</a> wird (die Nachfrage nach Bio-Baumwolle ist vielleicht auch so groß, dass sie durch Bio-Bauern allein nicht gedeckt werden kann, so dass Betrügereien natürlich verführerisch sind). Die GV-Baumwolle ist dabei resistent gegenüber Schädlingen, in dem sie Proteine aus <em>Bacillus thuringiensis </em>exprimiert.  Sie wird daher auch Bt-Baumwolle genannt.</p>
<p style="text-align: left;">Jetzt gibt es aber noch die andere Version der Geschichte: <a title="Meldung zu Suiziden bei GM Watch" href="http://www.gmwatch.org/component/content/article/13144" target="_blank">alle 30 Minuten</a> soll sich angeblich ein Landwirt wegen Bt-Baumwolle umbringen, schreibt GMWatch, eine Gentechnik ablehnende Webseite aus England. <a title="Artikel bei ISIS" href="http://www.i-sis.org.uk/farmersSuicidesBtCottonIndia.php" target="_blank">Ein Albtraum</a> spiele sich in Indien wegen dieser Baumwolle ab, schreibt das Institute of Science in Society, eine non-profit NGO. Die Erträge seien niedrig, fielen teilweise sogar ganz aus, es müsse mehr gespritzt, bewässert und gedüngt werden, das Saatgut sei teurer. Das alles treibe Bauern in die Verschuldung und zwinge sie zum Selbstmord als letzten Ausweg.</p>
<p style="text-align: left;">Dabei gibt es wiederum Studien, die zeigen, dass Bauern materiell <a title="Studie zu den ökonomischen Effekten der GV-Baumwolle" href="http://www.absfafrica.org/downloads/Rural%20Poverty%20and%20Employment%20Effects%20of%20Bt%20Cotton%20in%20India.pdf" target="_blank">vom Anbau der GV-Baumwolle profitieren konnten</a> &#8211; wenn auch nicht alle gleich viel und auf die gleiche Weise (was bei einem so großen und heterogenen Land wie Indien nicht überraschen kann).</p>
<p style="text-align: left;">Dass sich Landwirte wegen der GV-Baumwolle umbringen <a title="Meldung bei Nature Biotechnology zu einer Studie zu Selbstmorden" href="http://www.nature.com/nbt/journal/v27/n1/full/nbt0109-9.html" target="_blank">wird auch bezweifelt</a>, eine neue Studie zeigt klar, dass sie zumindest nicht der <a title="Neue Studie zu Selbstmorden" href="http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/00220388.2010.492863" target="_blank">alleinige oder ein hinreichender Grund</a> für die Selbstmorde war oder ist. Vielmehr geht es um kontextuelle Probleme bei der Einführung der GV-Baumwolle, die in einigen Teilen von Indien bereits existierende Trends verstärkt haben könnten. Zudem scheint der verringerte Einsatz von gefährlichen Insektiziden in der GV-Baumwolle dazu zu führen, dass <a title="Studie zu Vergiftungen durch die Anwendung von Insektiziden und die Vorteile von GV-Baumwolle" href="http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0921800911002400" target="_blank">weniger Kleinbauern an Vergiftungen sterben</a>: die Kollegen Shazad Kouser und Matin Qaim können zeigen (nachdem sie jahrelang Kleinbauern befragt und anschließend ihre Daten analysiert haben), dass mehrere Millionen von Vergiftungsfällen bei Kleinbauern ausbleiben, weil diese in der GV-Baumwolle weniger spritzen müssen. Summa summarum wird konstatiert, dass also eher weniger Kleinbauern sterben bzw. sich umbringen, seit dem die Bt-Baumwolle in Indien angebaut wird.</p>
<p style="text-align: left;">Da der Anbau von Bt-Pflanzen auch regional dazu führt, dass die Populationsdichten der kontrollierten Schädlinge heruntergehen (<a title="Studie zu den regionalen Auswirkungen von Bt-Baumwolle auf den Hauptschädling" href="http://www.pnas.org/content/100/4/1519.full.pdf" target="_blank">Baumwolle</a>, <a title="ähnliche Studie zu Mais in den USA" href="http://www.sciencemag.org/content/330/6001/222.full" target="_blank">Mais</a>), kann dies auch zu einem Benefit für solche Landwirte führen, die selbst keine Bt-Pflanzen anbauen. <a title="Studie aus China" href="http://mail.ippcaas.cn/images/01/0809/03.pdf" target="_blank">Und das gilt sogar für andere Pflanzen</a>, in denen die Schädlinge sekundär vorkommen.</p>
<p style="text-align: left;">Ich  habe mit Zahlen der FAO einfach mal geschaut, wie sich der Anbau und die Produktion von Baumwolle in Indien über die letzten Jahre entwickelt hat:</p>
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alt="" /></p>
<p>(Quelle: http://faostat.fao.org/site/567/DesktopDefault.aspx?PageID=567#ancor, eigene Darstellung)</p>
<p style="text-align: left;">Während die Gesamtanbaufläche (blau) über den Zeitraum nur leicht zunahm, hat die produzierte Menge (rot) deutlich zugelegt. Einfach, weil der Ertrag pro Flächeneinheit (grün) sich von 560 bis 675 kg auf 1,18 bis 1,40 Tonnen in den letzten Jahren erhöht hat (also grob verdoppelt). Das bedeutet letztlich, dass Indien von einem Netto-Importeur von Baumwolle zum wie eingangs erwähnten Netto-Exporter mit 3. Platzierung auf der Welt aufgestiegen ist:</p>
<p><img 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alt="" /></p>
<p>(Quelle: http://faostat.fao.org/site/535/DesktopDefault.aspx?PageID=535#ancor, eigene Darstellung)</p>
<p style="text-align: left;">Statt eines Handelsdefizits von rund $277 Millionen im Jahr 1999 wurde so im Jahr 2007 ein Überschuss von $1,9 Milliarden erwirtschaftet, der im Jahr 2008 auf Grund geringerer Exporte und höherer Importe auf  $257 Millionen sank. In diesem Zeitraum stieg der Anteil von GV-Baumwolle von Null auf rund oder über 90%.</p>
<p style="text-align: left;">Von einem Versagen der Bt-Baumwolle kann da nicht wirklich die Rede sein. Es ist wohl nicht so, dass die Ertragssteigerungen allein auf die Eigenschaft der GV-Baumwolle zurückgehen. Sicherlich spielen andere Faktoren da auch eine Rolle (Genetik der Sorten, besseres Management im Anbau, Ausbau von Bewässerung). Aber das entkräftet nicht das Argument.</p>
<p style="text-align: left;">Es ist sogar der entscheidende Punkt: es kommt doch immer darauf an, wie man eine Technik/Technologie/Anbaumaßnahme einführt und einsetzt. Man kann mit einem Porsche, weil es technisch möglich ist, die ganze Zeit 200 Sachen fahren. Aber nur, weil er es kann, muss man das noch lange nicht tun.</p>
<p style="text-align: left;">Grüne Gentechnik muss daher nicht zwangsläufig in Patentisierung, &#8220;Ausbeutung und Versklavung&#8221; enden, oder im &#8220;<a title="Artikel zu agricultural deskilling und GV-Pflanzenanbau in Indien" href="http://www.stopogm.net/sites/stopogm.net/files/WarangalStone.pdf" target="_blank">agricultural deskilling</a>&#8221; (also dem Verlust von Wissen bei Landwirten auf Grund der Vereinfachungen, die neue Technologien mit sich bringen). Man kann, wenn man denn will, die Initiative auch in die Hand nehmen und Chancen gestalten. Aber das ist natürlich immer komplizierter und anspruchsvoller, als einfach von Anfang an &#8220;Nein!&#8221; zu sagen.</p>
<p style="text-align: left;">Es gibt eine ganze Reihe von öffentlichen Projekten im Bereich der grünen Gentechnik, die für Kleinbauern in Entwicklungsländern oder auch für Nischenprodukte in den entwickelten Ländern hochgradig interessant sind. Und leider sind es gerade diese Projekte, die unter der Fundamentalopposition gegenüber der Pflanzenbiotechnologie leiden müssen &#8211; mit der fatalen Konsequenz, dass wir die Möglichkeiten, die diese Technologie bietet, genau nur den großen Konzernen überlassen. Mit allen Folgen, die wiederum so gerne kritisiert werden. Ein Teufelskreis.</p>
<p style="text-align: left;">Die Frage bleibt, warum <a title="Paper von Ron Herring" href="http://www.agbioforum.org/v12n1/v12n1a02-herring.htm" target="_blank">die Geschichte mit den Selbstmorden immer noch bei uns ist</a>, wie Ron Horring von der Universität in Cornell schreibt. Er hat sich damit eingehend auseinandergesetzt. Es bleibt festzuhalten, <a title="Vortrag von Ron Herring" href="http://www.economia.uniroma2.it/icabr/Public/File/Ronald%20J_%20Herring.pdf" target="_blank">dass Daten auch immer soziale Konstrukte sind</a>, und es somit auf den Kontext ankommt,  in dem sie generiert und kommuniziert werden, und auch von wem. Und solange es Leute gibt, <a title="Studie zu den ökonomischen Reizen der Fundamentalopposition" href="http://www.ask-force.org/web/Vatican-PAS-NBT-publ/Apel-Costly-Benefits-Opposing-2010.pdf" target="_blank">die viel Geld mit der Fundamentalopposition verdienen</a>, wird sich an der Gesamtsituation wohl nicht viel ändern.</p>
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		<title>Mythen und Legenden (Teil 2)&#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Jul 2011 10:03:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Rauschen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Anbau]]></category>
		<category><![CDATA[Patente]]></category>
		<category><![CDATA[Percy Schmeiser]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich hatte es bereits angekündigt: einige Beiträge schlummern in Ordnern vorbereitet auf meiner Festplatte. Heute stelle ich einen davon ein, den ich persönlich besonders wichtig finde. Geht es doch um den "Fall Percy Schmeiser", der zumindest bei uns in Deutschland zum Paradebeispiel des Kampfes "David" (einfacher traditioneller Landwirt) gegen "Goliath" (multinationaler Biotechnologie Konzern) geworden ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Ich hatte es bereits angekündigt: einige Beiträge schlummern in Ordnern vorbereitet auf meiner Festplatte. Heute stelle ich einen davon ein, den ich persönlich besonders wichtig finde. Geht es doch um den &#8220;Fall Percy Schmeiser&#8221;, der zumindest bei uns in Deutschland zum Paradebeispiel des Kampfes &#8220;David&#8221; (einfacher traditioneller Landwirt) gegen &#8220;Goliath&#8221; (multinationaler Biotechnologie Konzern) geworden ist.</p>
<p style="text-align: left;"><span id="more-480"></span>In Kanada selbst, wo auf rund 95% der Rapsanbaufläche Herbizid-tolerante Sorten angebaut werden (sowohl gentechnisch veränderte, als auch konventionell gezüchtete), spielt dieser Fall in der öffentlichen Wahrnehmung gar keine große Rolle mehr (so erzählte mir das ein kanadischer Kollege, den ich per glücklichem Zufall auf einer Tagung in der Türkei kennenlernte).</p>
<p style="text-align: left;">Hierzulande wird die Geschichte aber wie folgt erzählt: Schmeiser wurde von Nachbarn verpfiffen, weil er gentechnisch veränderten Raps mit Toleranz gegen das Spritzmittel RoundUp anbaute, der durch Patente von Monsanto geschützt war, ohne diesen jemals gekauft und damit einen Vertrag hierüber mit Monsanto Canada geschlossen zu haben. Oder aber, die „Saatgutpolizei“ von Monsanto Canada schlich sich direkt heimlich auf seine Felder, um zu prüfen, was er da anbaute. Wie auch immer, Monsanto Canada findet auf seinen Felder tatsächlich Raps, der durch Patente geschützt ist, und zitiert Schmeiser deswegen vor Gericht.</p>
<p style="text-align: left;">Schmeiser allerdings ist Opfer der Auskreuzung von Nachbarfeldern oder von verwehtem Saatgut geworden. Niemals hat er das Saatgut selbst ausgepflanzt, er hat ja seine eigene Sorte entwickelt (seit über 50 Jahren, wie er gerne erzählt). Außerdem verwendet er ja kein RoundUp, was soll er also mit dem gegen dieses Spritzmittel toleranten Raps anfangen? Und natürlich wusste er nichts davon und ihm wurde der Rechtsstreit von Monsanto Canada aufgezwungen. Klar musste er sich wehren, steht doch die Freiheit aller Bauern auf dem Spiel.  Nachzulesen <a title="Stellungnahme von Percy Schmeiser" href="http://tour.percy-schmeiser-on-tour.org/de_Stellungnahme_PSvsM.pdf" target="_self">etwa hier</a> auf Deutsch, oder auch auf seiner <a title="Percy Schmeisers Homepage" href="http://www.percyschmeiser.com/" target="_blank">Homepage</a>.</p>
<p style="text-align: left;">Doch was ist dran an dieser Geschichte? Wo liegen die Fakten, wo fangen Mythen und Legenden an?</p>
<p style="text-align: left;">Im Internet findet man die <a title="Prozessakte" href="http://decisions.fct-cf.gc.ca/en/2001/2001fct256/2001fct256.html" target="_blank">Gerichtsakte vom Prozess</a> und auch vom anschließenden <a title="Berufungsprozess" href="http://decisions.fca-caf.gc.ca/en/2002/2002fca309/2002fca309.html" target="_blank">Berufungsprozess</a> wo in vielen Einzelpunkten der bisherige Verlauf des Prozess nochmals aufgerollt und die Hintergründe dargestellt und analysiert werden. Das Ganze ist in Englisch, daher werde ich hier einige Passagen, die mir erhellend erscheinen, im Original zitieren und dann selbst zumindest in Teilen übersetzen. Vielleicht können wir uns damit den Hintergründen der Geschichte nähern. Ich beziehe mich dabei auf die Einzelpunkte in der Akte des Berufungsprozesses, weil diese Entscheidung in einer höheren Instanz gefällt wurde und auch eine Prüfung des vorherigen Prozesses beinhaltet. Ich zitiere dabei den numerierten Unterpunkt aus der Entscheidung, damit man das unter dem Link oben nochmal selbst nachlesen kann, und übersetze den Abschnitt dann direkt dahinter.</p>
<p style="text-align: left;">Zunächst hält das Berufungsgericht fest:</p>
<blockquote style="text-align: left;"><p>[19] Mr. Schmeiser testified that he avoids tilling potentially diseased plants back into the ground in fall, thus reducing the risk of disease infecting the next crop. He sometimes grows canola in the same field for a period of up to four years (referred to as back-to-back planting) because he believes this makes more efficient use of fertilizer applied to that field. Mr. Schmeiser believes that his farming practices have led to the development of his own strain of canola that is relatively resistant to various diseases. He said that he produces better than average canola yields for the Bruno area.</p>
<p>Herr Schmeiser hat ausgesagt, dass er das Unterpflügen möglicherweise kranker Pflanzen zu vermeiden versucht, um das Risiko, die Folgekultur zu infizieren, zu verringern. Manchmal baut er Raps auf demselben Feld über eine Periode von bis zu vier Jahren an (sogenannte Monokultur), weil er glaubt dies mache effizienteren Gebrauch der auf dem Feld ausgebrachten Dünger. Herr Schmeiser glaubt, dass seine Anbaupraktiken zur Entwicklung seiner eigenen Rapssorte geführt haben, welche relativ resistent gegen eine Reihe von Krankheiten ist. Er sagt, er produziere überdurchschnittliche Rapsernten für die Region um Bruno.</p></blockquote>
<blockquote style="text-align: left;"><p>[20] Mr. Schmeiser also testified that he uses various herbicides and routinely uses Roundup to clear weeds from summerfallow fields or along road allowances adjacent to his property. He prefers to spray his fields for weeds early in the spring, before planting. Roundup is not intended to be used that way. Rather, it is intended to be sprayed after the crop has emerged, a practice referred to as &#8220;in-crop spraying&#8221;. Mr. Schmeiser does not favour in-crop spraying. His view is that in-crop spraying does nothing to stop the weeds from consuming fertilizer in the ground, and entails some risk of damage to the crop from the spraying machinery. He also testified as to his belief that Roundup sprayed on a growing crop leaves a residue that kills bacteria in the soil, reducing the yield from back-to-back planting and increasing the possibility of root diseases in canola.</p>
<p>Herr Schmeiser hat zudem ausgesagt, dass er verschiedene Herbizide verwendet und regelmäßig RoundUp verwendet, um Unkräuter auf Sommerbrachen oder entlang von an seinen Besitz angrenzenden Straßenrändern zu entfernen. Er bevorzugt es, seine Felder wegen Unkräutern früh im Frühjahr zu sprühen, vor der Aussaat. RoundUp ist nicht gedacht, auf diese Weise benutzt zu werden. Vielmehr ist es dazu gedacht, nach dem Auflaufen der Kultur versprüht zu werden, eine Praxis, die Nachauflaufbehandlung genannt wird. Herr Schmeiser mag die Nachauflaufbehandlung nicht. Seiner Ansicht nach hält diese nicht die Unkräuter davon ab, den Dünger aus dem Boden zu verwenden, und bringt ein Risiko des Schadens für die Kultur auf Grund der zum Sprühen verwendeten Geräte mit sich. Er sagte zudem bezüglich seiner Auffassung aus, dass RoundUp im Nachauflauf versprüht Rückstände hinterlässt, die Bodenbakterien töten, was den Ertrag der Monokulturanpflanzung reduziert und die Möglichkeit von Wurzelkrankheiten im Raps erhöht.</p></blockquote>
<blockquote style="text-align: left;"><p>[21] In 1996, there were five growers in the Rural Municipality of Bayne who grew Roundup Ready Canola under license. One was Mr. Huber, who grew Roundup Ready Canola on a field north and west of, and diagonally adjacent to, Schmeiser field 6. In that year Mr. Schmeiser had a total of 370 acres of canola planted in all or part of the Schmeiser fields 1, 4, 6 and 7. In 1997, a total of 780 acres of canola were planted in all or parts of six Schmeiser fields (that is, all of them except fields 4, 7 and 9). Mr. Schmeiser testified that he believed that field 2 was planted with canola seed saved in 1996 from fields 1 and 6.</p></blockquote>
<p style="text-align: left;">Hieraus möchte ich mal nur die Zahlen herausnehmen: im Jahr 1996 pflanzte Schmeiser auf rund 150 Hektar Raps an, im Jahr 1997 sogar auf rund 315 Hektar. Zu dieser Zeit gab es in der Gegend fünf Landwirte, die RoundUp Ready Raps anbauten, auch auf Flächen, die an Schmeisers angrenzten. Umgerechnet habe ich die Flächenangaben <a title="Umrechnung acre in Hektar" href="http://www.kanadanews.de/canada/metric.htm" target="_blank">im Web</a>.</p>
<p style="text-align: left;">Jetzt kommen einige Paragraphen, die meiner Auffassung nach sehr erhellend sind, und so gar nicht mit dem übereinstimmen, was er hier in Deutschland auf seinen Tourneen erzählt:</p>
<blockquote style="text-align: left;"><p>[22] In late June or early July of 1997, Mr. Schmeiser and his employee Carlyle Moritz hand sprayed Roundup around power poles and in the ditches along the Bruno road where it bordered fields 1, 2, 3 and 4. This was part of his normal weed control practice. Several days after the spraying, he noticed that a large number of canola plants had survived the spraying. To determine why the canola plants had survived the Roundup spraying, Mr. Schmeiser conducted a test in field 2. Using a machine sprayer set to spray 40 feet, he sprayed Roundup on a section of field 2 in a strip along the road. He made two passes, the first weaving between and around the power poles and the second adjacent to the first pass, parallel to the power poles. He testified that by this means he sprayed a good three acres of field 2. According to Mr. Schmeiser&#8217;s evidence, after some days, approximately 60% of the canola plants sprayed were still alive, growing in clumps that were thickest near the road and thinner as one moved into the field.</p>
<p>Im späten Juni oder frühen Juli 1997 versprühten Herr Schmeiser und sein Angestellter Carlyle Moritz RoundUp per Hand um Strommasten und in Gräben entlang der Straße nach Bruno, wo diese an die Felder 1, 2, 3, und 4 angrenzt. Dies war Teil seiner normalen Unkrautbekämpfungsmaßnahmen. Mehrere Tage nach dem Versprühen stellte er fest, dass eine große Anzahl an Rapspflanzen die Anwendung überlebt hatte. Um festzustellen, warum die Rapspflanzen die Anwendung von Roundup überlebt hatten, führte Herr Schmeiser einen Test in Feld 2 durch. Mit einer Sprühmaschine einer Breite von 40 Fuß versprühte er RoundUp auf einem Teil von Feld 2 entlang der Straße. Er machte zwei Überfahrten, die erste zwischen und um Strommasten herum, die zweite entlang der ersten, parallel zu den Strommasten. Er sagte aus, dass er auf diese Weise einen guten Hektar von Feld 2 behandelt hatte. Herrn Schmeisers Beweismaterial zufolge, nach einigen Tagen, waren etwa 60% der behandelten Rapspflanzen noch am Leben, in Gruppen wachsend, dichter in der Nähe der Straße, weniger dicht wenn man ins Feld hineinging.</p></blockquote>
<blockquote style="text-align: left;"><p>[23] At harvest time in 1997 Mr. Schmeiser, who was then recovering from a leg injury, instructed Mr. Moritz to swath and combine field 2. Mr. Moritz did so, harvesting the canola in the field as well as the surviving canola along the roadside. The harvested seed was put into the box of a 1962 Ford pickup truck. The box was covered with a tarp and the truck with its tarped load of canola seed was stored in one of Mr. Schmeiser&#8217;s buildings over the winter.</p>
<p>Zur Ernte 1997 instruierte Herr Schmeiser, der sich gerade von einer Beinverletzung erholte, Herrn Moritz das Feld 2 zu mähen und zu dreschen. Herr Moritz tat dies, und erntete den Raps vom Feld sowie den überlebenden entlang der Straße. Das Erntegut wurde in eine Box eines 1962 Ford Pickup Trucks getan. Die Box wurde mit einer Plane abgedeckt und der Truck mit seiner abgedeckten Ladung von Rapssamen wurde in einem von Herrn Schmeisers Gebäuden über den Winter eingelagert.</p></blockquote>
<blockquote style="text-align: left;"><p>[24] Mr. Schmeiser testified that in the spring of 1998 the seed from the Ford truck was transferred to another truck and taken to the Humboldt Flour Mill for treatment, a normal process to rid the seeds of disease before planting. The treated seed, mixed with untreated seed from his granary (&#8220;bin-run seed&#8221;), was planted in all or part of each of his nine fields, for a total of 1,030 acres.</p>
<p>Herr Schmeiser sagte aus, dass im Frühjahr 1998 das Saatgut aus dem Ford Truck auf einen anderen Truck umgeladen und zur Humboldt Mehlmühle zur Behandlung gebracht wurde, ein normaler Prozess, um das Saatgut vor der Aussaat von Krankheiten zu befreien. Das behandelte Saatgut, vermischt mit unbehandeltem Saatgut aus seinem Silo, wurde dann auf allen oder in Teilen seiner Felder verwendet, auf einer Gesamtfläche von 417 Hektar.</p></blockquote>
<p style="text-align: left;">Halten wir also fest: Percy Schmeiser versprüht <strong>wie üblich</strong> RoundUp zur Unkrautbekämpfung und stellt fest, dass da Rapspflanzen überleben (es gibt Aussagen von Teilnehmern an Veranstaltungen, auf denen er gesprochen hat, wo er behauptet, niemals RoundUp benutzt zu haben). Warum auch immer die das tun und wie auch immer sie dort hingekommen sein mögen.</p>
<p style="text-align: left;">Er überprüft das Ganze, indem er <strong>nochmal gezielt</strong> Flächen mit RoundUp behandelt.</p>
<p style="text-align: left;">Dann beauftragt er seinen Helfer, das Feld, auf und an dem diese Pflanzen vorkommen, abzuernten. Anschließend wird das Erntegut gelagert, behandelt, mit noch vorhandenem Saatgut vermischt, und zum Anpflanzen von über 400 Hektar Raps verwendet.</p>
<p style="text-align: left;">Aus diesen und weiteren Ausführungen folgert dann das Gericht schlussendlich:</p>
<blockquote style="text-align: left;"><p>[58] In this case, Mr. Schmeiser cultivated glyphosate resistant canola plants. His 1998 canola crop was mostly glyphosate resistant, and it came from seed that Mr. Schmeiser had saved from his own fields and the adjacent road allowances in 1997. Although the Trial Judge did not find that Mr. Schmeiser played any part initially in causing those glyphosate resistant canola plants to grow in 1997, the Trial Judge found as a fact, on the basis of ample evidence, that Mr. Schmeiser knew or should have known that those plants were glyphosate resistant when he saved their seeds in 1997 and planted those seeds the following year. It was the cultivation, harvest and sale of the 1998 crop <span style="text-decoration: underline;">in those circumstances</span> that made Mr. Schmeiser vulnerable to Monsanto&#8217;s infringement claim.</p>
<p>In diesem Fall kultivierte Herr Schmeiser Glyphosat resistente Rapspflanzen. Seine Anpflanzung von Raps im Jahr 1998 war größtenteils resistent gegenüber Glyphosat, und sie kam von Saatgut das Herr Schmeiser von seinen eigenen Felder und angrenzenden Randstreifen im Jahr 1997 geerntet hatte. Obschon der Richter im Hauptsacheverfahren feststellte, dass Herr Schmeiser keinen Anteil an dem ursprünglichen Vorhandensein dieser Glyphosat resistenten Pflanzen im Jahr 1997 hatte, stellte der Richter als Fakt fest, auf Basis hinreichenden Beweismaterials, dass Herr Schmeiser wusste, oder hätte wissen müssen, dass diese Pflanzen gegenüber Glyphosat resistent waren, als das Saatgut 1997 erntete und es im Folgejahr aussäte. Es war der Anbau, die Ernte und der Verkauf der Anpflanzung des Jahres 1998 <span style="text-decoration: underline;">in diesen Umständen</span>, die Herrn Schmeiser gegenüber Monsantos Patentverletzungsanschuldigung gegenüber angreifbar machen.</p></blockquote>
<p style="text-align: left;">So urteilte im ursprünglichen Prozess denn auch Richter MacKay, dass Schmeiser wusste oder hätte wissen müssen, dass das ausgebrachte Saatgut tolerant gegenüber RoundUp war. Wo auch immer die Pflanzen herkamen: Pollenflug ist eher unwahrscheinlich, die lokale Häufung entlang der Straße legt die Vermutung nahe, dass Samen von Transporten über die Straße auf seinen Flächen landeten.</p>
<p style="text-align: left;">Dies ist aber für den gegebenen Fall erstmal irrelevant, da Schmeiser die Pflanzen bewusst selektierte und zur Aussaat verwendete &#8211; und eben damit eine Patentsrechtsverletzung beging.</p>
<p style="text-align: left;">Hier ist noch ein interessanter <a title="Blogeintrag zum Thema" href="http://www.adfarmonline.com/blog/aroundthefarm/tag/percy-schmeiser" target="_blank">englischsprachiger Blogbeitrag</a>, der sich ebenso dieses Themas annimmt.</p>
<p style="text-align: left;">Also weitere interessante Nebenaspekte kann man mitnehmen: Schmeiser ist <strong>kein Kleinbauer</strong>, und wohl auch <strong>kein Direktvermarkter</strong>. Inwiefern er sich daher als Gallionsfigur in der deutschen Bewegung, die ja sehr viel Wert auf diese Eigenschaften legt, eignet, ist mir schleierhaft. Schmeiser hat <strong>jahrelang Raps auf Raps angebaut, also in Monokultur</strong>. Auch das wird in der deutschen Bewegung abgelehnt. Drittens hat Schmeiser tatsächlich <strong>RoundUp benutzt, gerne auch Bodenherbizide</strong>. Auch dies kommt ja in der deutschen Bewegung nicht gut an. Anscheinend schaut man darüber einfach weg&#8230;</p>
<p style="text-align: left;"><strong>Patente auf lebende Organismen sind eine problematische Sache, vor allem dann, wenn sich aus dem Patentanspruch weitreichende Konsequenzen ergeben. Aber was den Fall Percy Schmeiser angeht, sollte man sich die Hintergründe doch genauer anschauen, bevor man ihn ungeprüft zum Helden einer Bewegung kürt. Aber zu Patenten im speziellen oder &#8220;Intellectual Property Rights&#8221; im allgemeinen, Probleme und Vorteile, bin ich nicht wirklich kompetent. Ich bin ja kein &#8220;Experte&#8221;, wie so viele andere da draussen&#8230;</strong></p>
<p><strong><br />
</strong></p>
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		<title>Mythen und Legenden&#8230;</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Jul 2011 12:20:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Rauschen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[...oder doch einfach nur Lügen? Manchmal eindeutig letzteres.
 In den letzten Wochen bin ich nicht so recht dazu gekommen, hier mal wieder einen Beitrag einzustellen. Ich habe zwar einige Artikel bereits vorgearbeitet, so dass ich nach ein wenig Feinschliff diese online stellen könnte, aber dazu fehlt mir aktuell ein wenig die Zeit.
Heute nehme ich ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">&#8230;oder doch einfach nur Lügen? Manchmal eindeutig letzteres.</p>
<p style="text-align: left;"><span id="more-476"></span> In den letzten Wochen bin ich nicht so recht dazu gekommen, hier mal wieder einen Beitrag einzustellen. Ich habe zwar einige Artikel bereits vorgearbeitet, so dass ich nach ein wenig Feinschliff diese online stellen könnte, aber dazu fehlt mir aktuell ein wenig die Zeit.</p>
<p style="text-align: left;">Heute nehme ich mir aber schnell ein paar Minuten, um eine Lüge zu entlarven, die ich einfach dummdreist finde. Weil es eine Behauptung ist, die man schnell aufstellen kann, die gerne geglaubt wird, die aber genauso einfach als Lüge entlarvt werden kann &#8211; wenn man sich denn die Mühe macht, ein wenig zu recherchieren.</p>
<p style="text-align: left;">Gestoßen bin ich auf ein <a title="Das Interview" href="http://www.alpenparlament.tv/playlist/445-gekaufte-wahrheit-wie-sich-die-gentechnik-mit-luegen-den-weg-bahnt" target="_blank">Interview mit Bertram Verhaag</a>, der auf alpenparlament.tv seinen neuen Film &#8220;Gekaufte Wahrheit&#8221; anpreisen darf. Im Text zum Film steht:</p>
<blockquote style="text-align: left;"><p><strong>Fall 1:</strong> Im Frühjahr 2001 macht die renommierte  us-amerikanische Fachzeitschrift NATURE etwas, das es zuvor noch nie  getan hat. Zum ersten Mal in ihrer 137-jährigen Geschichte zieht das  weltweit wichtigste Wissenschaftsmagazin einen Artikel zurück.</p></blockquote>
<p style="text-align: left;">Das fand ich interessant und habe mal 10 Minuten investiert, um herauszufinden, ob das stimmt (woran ich meine Zweifel von vorneherein hatte, schließlich gibt es immer wieder schlechte, falsch interpretierte oder einfach wenig gelungene Paper, die zurückgezogen werden; nicht immer ist Absicht im Spiel, und sicher musste es in den langen Jahren auch mal <em>Nature</em> getroffen haben).</p>
<p style="text-align: left;">Und was stellt man fest: die erste Retraction, die ich finden konnte, <a title="Die erste von mir bei Nature gefundene Retraction" href="http://www.nature.com/nature/journal/v216/n5111/pdf/216163b0.pdf" target="_blank">stammt aus dem Jahr 1967</a> und bezieht sich auf 3 Paper, eines davon in Nature. Die nächste datiert vom <a title="weitere Retraction in Nature" href="http://www.nature.com/nature/journal/v390/n6655/full/390100b0.html" target="_blank">6. November 1997</a> und bezieht sich auf ein Paper das im Nachgang des Tchernobyl Unglücks Mutationsraten in Nagetieren untersucht hatte.</p>
<p style="text-align: left;">Ich habe jetzt nicht die Anzahl der Paper in <em>Nature</em>, die zwischen Ende 1997 und 2001 insgesamt zurückgezogen wurden geprüft, das würde sicherlich auch nur eine gute halbe Stunde in Anspruch nehmen. Aber das muss ich ja auch nicht tun, denn die oben zitierte Behauptung ist ganz klar: eine Lüge.</p>
<p style="text-align: left;">In Zukunft werde ich mich häufiger solcher Lügen, aber auch häufig vorgebrachter Legenden und Mythen annehmen. Das nächste wird der Fall Percy Schmeiser sein, zu dem ich schon etwas vorgearbeitet habe.</p>
<p style="text-align: left;"><strong>P.S.: Nature spricht in diesem Fall nicht mal selbst von einer Retraction, ein Umstand, der mir zugegebenermaßen auch entglitten ist. Zitat:</strong></p>
<blockquote style="text-align: left;"><p>The original paper caused a storm of controversy<sup><a href="http://www.nature.com/news/2008/081112/full/456149a.html#B3">3</a></sup><sup>,</sup> <sup><a href="http://www.nature.com/news/2008/081112/full/456149a.html#B4">4</a></sup><sup>,</sup> <sup><a href="http://www.nature.com/news/2008/081112/full/456149a.html#B5">5</a></sup>.  Critics pointed out some technical errors, including problems with the  type of PCR used to amplify the genetic sequences, although Chapela and  his co-author David Quist stood by their conclusions<sup><a href="http://www.nature.com/news/2008/081112/full/456149a.html#B6">6</a></sup>.  Others questioned whether the critics were influenced by their  association with the biotechnology industry, which they denied. In the  end,  Nature  published an editor&#8217;s note saying  there was insufficient evidence to justify the original publication.  <strong>Advocates of GM crops widely, and erroneously, called this a retraction.</strong></p></blockquote>
<p style="text-align: left;">Hervorhebung durch mich. Nachzulesen in diesem <a title="Rückblick von Nature auf die Chapela Story" href="http://www.nature.com/news/2008/081112/full/456149a.html" target="_blank">News Artikel aus dem Jahr 2008</a>. Das heisst, es war keine offizielle Retraction. Diese sehen auch deutlich anders aus (und heissen auch so), wie man bei der <a title="Artikel der englischen Wikipedia zum Schön Skandal" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6n_scandal" target="_blank">Affäre Schön</a> <a title="Die Retractions in der Affäre Schön" href="http://www.nature.com/nature/journal/v422/n6927/#lt" target="_blank">sehr gut sehen kann</a> (bei den &#8220;Letters to Nature&#8221; ganz nach unten scrollen).</p>
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		<title>Von &#8220;Seilschaften&#8221; und &#8220;Netzwerken&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Jun 2011 15:42:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Torben Hoffmeister</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Greenpeace und Co]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist vielleicht wieder einmal Zeit für einen neuen Blog-Eintrag. Und da bietet sich eine Fortsetzung der Diskussion im transgen-Forum an:
Das von Gegnern der Gentechnik oft zitierte Wort der „Seilschaft“ gegenüber den Befürwortern hat seine ethisch-moralische Prägung nach dem Untergang der DDR erhalten und bezweckte eine abwertende Bezeichnung zum Nachwirken überlebter Machtstrukturen. Und diese ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left">Es ist vielleicht wieder einmal Zeit für einen neuen Blog-Eintrag. Und da bietet sich eine Fortsetzung der Diskussion <a href="http://www.transgen.de/forum/viewtopic.php?f=2&amp;t=236" target="_blank">im transgen-Forum</a> an:<br />
Das von Gegnern der Gentechnik oft zitierte Wort der „Seilschaft“ gegenüber den Befürwortern hat seine ethisch-moralische Prägung nach dem Untergang der DDR erhalten und bezweckte eine abwertende Bezeichnung zum Nachwirken überlebter Machtstrukturen. Und diese dem Wort innewohnende Wertung möchte man sich bei Save Our Seeds, BUND und Co. zunutze machen. <span id="more-463"></span>Es ist ein Versuch der Delegitimierung von Wissenschaftlern und Behördenvertretern, die nicht die eigenen Anschauungen vertreten. Es kommt nicht auf den Wahrheitsgehalt der Aussage an, sondern auf die Auswahl des Begriffs und auf dessen häufige Wiederholung. Das sind Merkmale, die den Tatbestand von organisierter Propaganda erfüllen. Die „Guten“ als Streiter gegen „Kapitalismus und undemokratische Risikotechnologien“, zu der sie auch die grüne Gentechnik zählen, verwenden dafür den Begriff „Netzwerk“. Sie sind gerade dabei neue Machtstrukturen aufzubauen: <a href="http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/guetesiegel-mit-zweifelhaftem-ruf-464587/" target="_blank">&#8220;Gütesiegel mit zweifelhaften Ruf&#8221;</a> (wiwo.de, 09.05.2011)</p>
<p style="text-align: left">Ich fühle mich da an das alte Sprichwort erinnern „Wer im Glashaus sitzt …“.<br />
Die „Guten“ verwenden zwar die gleichen Methoden, die sie ihren Gegnern vorwerfen und die sie den Behörden und Wissenschaft nicht wirklich nachweisen können. Aber sie sind ja als ethisch-moralische Instanz über jeden Zweifel erhaben. Man kann sich nur mehr solche Beiträge wie in der wiwo wünschen, um der Absolution solcher gesellschaftlicher Gruppierungen einige Kratzer und Zweifel beizufügen. Neuerdings zieht man sogar gegen die eigene „Mutterorgansiation“, den WWF zu Felde, weil der nicht die reine Lehre gegen den Anbau von gv-Soja vertritt: <a href="http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/23995.html" target="_blank">&#8220;WWF und der Pakt mit der Gentechnik-Industrie&#8221;</a> (keine-gentechnik.de, 23.06.2011)</p>
<p style="text-align: left">Aber so ist das bei Glaubensgemeinschaften, sie enden irgendwann im Sektierertum. Und wieder war es der WDR, der berichtete. Wie schon einmal: <a href="http://gute-gene-schlechte-gene.de/wie-der-offentlich-rechtliche-wdr-so-tickt/" target="_self">&#8220;Wie der öffentlich-rechtliche so tickt&#8221;</a></p>
<p style="text-align: left">Welche „Netzwerke“ da wohl am Wirken sind ?</p>
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		<title>Gentechnik und Ökolandbau: Eine ungewöhnliche Verbindung</title>
		<link>http://gute-gene-schlechte-gene.de/gentechnik-und-okolandbau-eine-ungewohnliche-verbindung/</link>
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		<pubDate>Fri, 15 Apr 2011 12:53:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Priesnitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Nachdem mein letzter Beitrag zum wirklich lesenswerten Buch „Tomorrows table“ auf recht wenig Resonanz stieß, nun der Versuch die Diskussion durch einen kleinen Auszug aus dem Buch von Pamela Ronald und Raoul Adamchak noch mal anzustoßen.
Wie bereits zuvor beschrieben haben sich Pamela, Professorin für Pflanzen-Pathologie, und ihr Ehemann Raoul, Biobauer, angeregt durch die Diskussionen ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Nachdem mein letzter Beitrag zum wirklich lesenswerten Buch „Tomorrows table“ auf recht wenig Resonanz stieß, nun der Versuch die Diskussion durch einen kleinen Auszug aus dem Buch von Pamela Ronald und Raoul Adamchak noch mal anzustoßen.</p>
<p style="text-align: left;">Wie bereits zuvor beschrieben haben sich Pamela, Professorin für Pflanzen-Pathologie, und ihr Ehemann Raoul, Biobauer, angeregt durch die Diskussionen in ihrem Freundeskreis zusammengesetzt und ihre Ideen zum Thema Grüne Gentechnik in einem gemeinsam verfassten Buch aufgenommen.</p>
<p style="text-align: left;">Um auch hier bei uns eine Diskussion anzuregen, habe ich mir die Mühe gemacht, die ausgewählten Abschnitte ins Deutsche zu übersetzen.<span id="more-453"></span> Zunächst möchte ich aus einer Passage von Raoul zitieren, in welcher er die Geschichte der Biolandwirtschaft zusammenfasst (Kapitel 3 &#8211; Die Werkzeuge der Biolandwirtschaft &#8211; S.32 ff):</p>
<p style="text-align: left;"><em>Haben denn auch Forscher irgendetwas zum Erfolg der Biolandwirtschaft beigetragen? </em><em>Die Antwort lautet ja.…<br />
Zum Beispiel die Entdeckung von Bacillus thuringiensis, dem meist benutzten Bio-Insektizid.<br />
…<br />
Diese Entdeckung ebnete den Weg für den Einsatz von Bt-Toxinen als Pestizid und 1958 wurde es kommerziell erhältlich (Aronian Lab 2006).</em></p>
<p style="text-align: left;"><em>Während Bacillus thuringiensis ein Beispiel für den Einsatz von Bakterien als biologische Kontrolle darstellt, gab es auch wissenschaftliche Fortschritte beim Einsatz von Insekten. Charles Valentine Riley, Entomologe für die USDA, begann schon 1873 mit dem Import von Nützlingen (Räuber und Parasiten) in die USA. Der bekannteste Fall ist die Einfuhr des Australischen Marienkäfers zur Kontrolle der Australischen Woll Schildlaus (Icerya purchasi) auf Zitronen.<br />
…<br />
Ein anderer wichtiger Durchbruch für die Biolandwirtschaft begann mit der Entdeckung von Pheromonen durch Jean-Henri Fabré im Jahr 1870. Dies sind chemische Substanzen, welche der Kommunikation von Insekten dienen. 1967 endlich fand Harry Shorey von der UC Riverside eine Möglichkeit Pheromone zur Unterbrechung der Paarung von Nachtfaltern (Looper moth) zu nutzen.<br />
…<br />
Resistenz-Züchtungen zum Schutz vor Krankheiten begannen in England vor über 100 Jahren. Kommerzieller Weizen war 1904 empfindlich gegenüber einem Pilz welcher den Gelbrost / Streifenrost verursachte. (…) Durch die Kreuzung einer resistenten, nicht-kommerziellen Sorte mit der kommerziellen Weizen-Sorte entstand eine resistente Sorte mit den Eigenschaften beider Eltern (Chrispeels and Savada 1994). Damit begann eine umfangreiche Praxis der Pflanzenzüchter Resistenzgene in Pflanzen einzubringen. Heute enthalten die meisten von uns verzehrten Getreide-Sorten solche Resistenz Gene.</em></p>
<p style="text-align: left;"><em>Das Züchten von krankheitsresistenten Sorten ist im Normalfall keine Lösung auf ewig. Krankheitserreger können sich ständig weiterentwickeln und die Resistenzen überwinden.  (…) Dieser genetische Ansatz krankheitsresistente Gene in Kulturpflanzen einzubringen ist eine der Technologien die heute Biolandwirtschaft überhaupt ermöglichen.</em></p>
<p style="text-align: left;"><em>Über die Jahre wurden die Prinzipien des Bio-Anbaus überprüft und ausgedehnt. Obwohl die Biolandwirtschaft mit Erfolg das gesamte letzte Jahrhundert in den USA praktiziert worden war, gab es bis 1980 nur wenig Forschung, welche sich allein auf den biologischen Anbau konzentrierte. Laut Patrick Madden, dem ersten Direktor des USDA LISA Programms, dachten viele Agrarforscher und konventionelle Bauern, dass der Biolandwirtschaft, bis zur Veröffentlichung von drei wichtigen Berichten der wissenschaftlichen Gemeinschaft der Vereinigten Staaten, die Glaubwürdigkeit fehlen würde. Der erste dieser Berichte, verfasst von der USDA (Report and Recommendations on Organic Farming, 1980), erfasste wissenschaftliche Aussagen zu Ernte und Netto Ertrag von Biolandwirtschaft und machte Empfehlungen zu Forschung, Ausbildung und öffentlichen Grundsätze.<br />
…<br />
Der zweite Bericht (Alternative Agriculture) kam von der Nationalen Akademie der Wissenschaften und fasste den aktuellen Stand der Wissenschaften in Bezug auf Bodenbearbeitung, Biologische Kontrolle, Gründüngung zur Stickstoff Fixierung und Probleme durch den Einsatz von Pestiziden zusammen (Board on Agriculture 1989). Im Jahr 1990 erschien der dritte wichtige Bericht, welcher die weit verbreiteten öffentlichen Befürchtungen über schädliche Effekte von Pestiziden auf die Umwelt, die Gesundheit von Menschen und die Lebensqualität dokumentierte (U.S. GAO). Mit dem Impuls dieser drei Berichte und dem steigenden Verlangen der Öffentlichkeit nach einer Alternative zum konventionellen Anbau, begannen Bio-Bauern und Aktivisten Lobbyarbeit bei der USDA zu betreiben und die Finanzierung von Forschung im Biolandbau zu fordern.<br />
…<br />
Diese und andere Forschungsvorhaben haben, wenn auch nur finanziell relativ gering gefördert, die Biolandwirtschaft signifikant geändert und nach vorne gebracht. Einige Praktiken wurden bestätigt, andere verworfen, neue Techniken wurden entwickelt. Wichtiger, die Einbindung von universitären Wissenschaftlern bestätigte, dass biologische Anbau-Praktiken wissensbasiert und effizient sind.“</em></p>
<p style="text-align: left;">Nun möchte ich zum Ende des Buches springen und dort Pamela Ronald zu Worte kommen lassen. Aufbauend auf das Pflaumenkuchenrezept ihrer Tante Lissy beschreibt sie die Chancen der Grünen Gentechnik (Kapitel 12 &#8211; Dekonstruktivistisches Abendessen: Gentechnisch erzeugt, biologisch angebaut &#8211; S.164 ff):</p>
<p style="text-align: left;"><em>„Steinfrüchte sind anfällig für den plum pox virus (PPV), welcher seit dem frühen 20. Jahrhundert eine verheerende Krankheit in Europa darstellt. 1992 wurde er das erste Mal in Chile entdeckt, 1998 in einem Obstgarten in Adams County, Pennsylvania. Obwohl der Erreger dieses mal lokal nur beschränkt auftrat, ist die Bekämpfung im Falle eines Ausbruches doch ein großes Problem, da die einzige bekannte Bekämpfungsmaßnahme darin besteht, alle Bäume auszureißen und niederzuwalzen, bevor das Virus sich auf andere Teile Amerikas ausbreiten kann (The Plant Desease Diagnostic Clinic 2001). Aufgrund dieser Gefahr entwickelte das USDA eine GV-Pflaumen Sorte, welche dem Virus gegenüber resistent ist. Dabei wurde eine ähnliche Technik wie bei der GV-Papaya angewandt, welche gegenüber dem Papaya Ringspot Virus resistent ist.<br />
…<br />
Der Bio Verbraucher Verband der USA hat sich bereits gegen diese neue, resistente Pflaume ausgesprochen. Sie befürchten, dass dies die Türe für die Autorisierung von weiteren GV-Steinfrüchten öffnen würde (Organic Consumers Organisation 2006). Und wahrscheinlich liegen sie damit richtig. Falls die GV-Pflaume gut ankommt, wollen wohlmöglich auch die Pfirsich-Produzenten diese Technologie nutzen. Denn obwohl das Pox Virus bis heute durch strenge Präventionsmaßnahmen aus den Staaten heraus gehalten werden konnte, so befürchten die Experten doch, das es sich einen Weg durch die Hintertür, über kleinere Obstplantagen, suchen könnte (Haire 2001).<br />
…<br />
Fortschritte der Genetik wurden durch wissenschaftliche Neugier über grundsätzliche Aspekte der Biologie genährt. Neue technische Durchbrüche beschleunigten noch die Entdeckungen. Zum Beispiel kennen wir inzwischen die Gensequenz einiger Pflanzen und die Gensequenz vieler Mikroben, die diese befallen. Und wir wissen auch, dass Wissenschaftler und Züchter diese Informationen nützen können, um biologisch orientierte, ausgeklügelte und elegante Ansätze zu entwickeln, welche  landwirtschaftliche Probleme lösen können.<br />
Es scheint eine Kommunikationsbarriere zwischen Bio- und konventionellen Bauern und zwischen Wissenschaftlern und Verbrauchern zu bestehen. Dieses Hindernis muss überwunden werden. Ein Dialog ist nötig, wenn wir den Weg einer ökologisch ausgewogenen, biologisch basierten Landwirtschaft weitergehen wollen. Wissenschaft und gute Landwirtschaft alleine reichen nicht, um Nahrungssicherheit für die Gesunden, oder die Armen und Unterernährten zu garantieren und alle unsere ökologischen Leiden zu beheben. Eine stabile Regierung und deren Politik spielen ebenso eine große Rolle bei der Sicherung der Ernährungssicherheit. Aber ohne Wissenschaft und guter Agrarwirtschaft können wir noch nicht einmal beginnen davon zu träumen, solch eine sichere Zukunft zu erhalten. Die Grüne Biotechnologie ist kein Allheilmittel gegen Armut, genauso wenig wie die konventionelle Landwirtschaft oder der Biolandbau. Aber sie liefert ein wertvolles Werkzeug, welches Bauern nutzen können um reale Probleme der Landwirtschaft, wie Schädlinge, Krankheiten, Unkräuter, Stress und Habitatzerstörung anzugehen. Wie jedes Werkzeug kann auch die Grüne Gentechnik von sozialen, ökonomischen und politischen Kräften genutzt oder missbraucht werden, um positive oder negative soziale Ergebnisse zu generieren.<br />
Momentan besteht ein Großteil der kommerziell angebauten Getreide aus Sorten, welche das Bt-Toxin enthalten oder gegenüber Monsantos Herbizid Glyphosat (RoundUp) tolerant sind. Nur eine Handvoll anderer Pflanzen sind auf dem Markt und doch sind die möglichen nutzbaren Anwendungen von GV-Pflanzen unermesslich. Es scheint zwangsläufig, dass die Grüne Gentechnik eine immer wichtigere Rolle in der Landwirtschaft spielen wird. Die Frage ist nunmehr nicht, ob wir diese Technik nutzen, sondern viel dringender, wie wir sie nutzen sollten &#8211; mit welcher verantwortlichen Absicht. Die Verbraucher haben dabei eine große Möglichkeit zu beeinflussen, welche Pflanzen entwickelt werden. Die Landwirtschaft braucht unsere kollektive Hilfe und alle geeigneten Werkzeuge, wenn wir die wachsende Bevölkerung ausgewogen ernähren wollen. Wir müssen die Aufmerksamkeit dahin lenken, wo sie wichtig ist &#8211; das Bedürfnis nach Landwirtschaft, die gut für die Umwelt und für die Konsumenten ist. Statt sich immer nur auf unvorhergesehene Folgen zu konzentrieren, wenn kleinste Schnipsel eines gut verdaulichen Virus mit Prunus domesticus (aus Japan stammend) kombiniert werden, feiere ich lieber den Triumph der menschlichen Genialität’ (Moses 2006), welche mir erlaubt den Pflaumenkuchen nach Tante Lissys Rezept auf unseren Tisch zu bringen.<br />
Wie auch immer, unsere Kinder denken nicht über diese Details nach. Sie genießen ihren Nachtisch. Nach allem geht es doch ums Essen, um gutes Essen.“</em></p>
<p style="text-align: left;">Damit enden das Buch und auch meine kleine Auswahl an Textstellen.</p>
<p style="text-align: left;">Was erhoffe ich mir von dem erneuten Beitrag zu diesem Buch?</p>
<p style="text-align: left;">Eine ergebnisoffene Diskussion wäre ein schönes Resultat!</p>
<p style="text-align: left;">Auch wenn es in Anbetracht der verhärteten Fronten ideologisch anmutet, sollten wir uns am Beispiel dieses Ehepaares vor Augen führen, dass die vermeintlich so unterschiedlichen Lager der modernen Landwirtschaft in vielen ihrer Ziele eine Schnittmenge bilden. Und diese gemeinsamen Ziele und nicht die unterschiedlichen Methoden sollten in den Vordergrund rücken. Biolandwirtschaft wird heut nicht nur zum Wohle der Natur, sonder auch zum Wohle des Geldbeutels betrieben. Und die konventionelle Landwirtschaft muss zur Gewinnsicherung auf lange Frist nachhaltig agieren und kann somit auch von der Biolandwirtschaft lernen.<br />
Warum kann ein biotechnologisch hergestelltes Getreide, welches durch seinen Anbau Umwelt und Ressourcen schonen würde, in Zukunft nicht mit einem Bio-Siegel gekennzeichnet werden?</p>
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		<title>Wie der öffentlich-rechtliche WDR so tickt</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Apr 2011 13:19:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Torben Hoffmeister</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[vor etwa sechs Wochen wurde hier im transgen-Forum über eine Sendung des WDR-Wirtschaftsmagazins plusminus diskutiert, in der das Schicksal eines behinderten Mädchens in Argentinien ausgeschlachtet wurde, um eines der am häufigsten verwendeten Herbizide madig zu machen. Auch wurden zahlreiche, nämlich zwei, „Experten“ befragt, die das angebliche Potenzial körperlicher Schädigungen aufgrund ihrer Untersuchungen an Amphibien- ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left">vor etwa sechs Wochen wurde <a href="http://www.transgen.de/forum/viewtopic.php?f=2&amp;t=198" target="_blank">hier im transgen-Forum</a> über eine Sendung des WDR-Wirtschaftsmagazins <em>plusminus</em> diskutiert, in der das Schicksal eines behinderten Mädchens in Argentinien ausgeschlachtet wurde, um eines der am häufigsten verwendeten Herbizide madig zu machen. Auch wurden zahlreiche, nämlich zwei, „Experten“ befragt, die das angebliche Potenzial körperlicher Schädigungen aufgrund ihrer Untersuchungen an Amphibien- und Hühnerembryonen bzw. an Zellkulturen belegen könnten. Mit diesen Studien hatten wir uns im <a href="http://www.transgen.de/forum/viewtopic.php?f=2&amp;t=158" target="_blank">transgen-Forum</a> auch schon auseinandergesetzt.</p>
<p style="text-align: left">Auf die Idee, eine der Genehmigungsbehörden oder etwa ausgewiesene Toxikologen zu diesen Befunden zu befragen, kamen die Autoren der Sendung offenbar nicht.</p>
<p style="text-align: left">Aber eine Antwort auf meine Beschwerde zu dem einseitig und schlecht recherchierten Beitrag durch den verantwortlichen Bereichsleiter kam dann doch noch:<span id="more-442"></span></p>
<p style="text-align: left">Sehr geehrter Herr Hoffmeister,</p>
<p style="text-align: left">vielen Dank für Ihr Schreiben vom 16. Februar 2011 an die GVK. Ihre Kritik wurde zuständigkeitshalber an die Intendantin des WDR, Monika Piel, weiter geleitet, die mich gebeten hat, Ihnen zu antworten.<br />
In Ihrem Schreiben kritisieren Sie die Berichterstattung in der  Sendung „Plusminus“ vom 8. Februar 2011 zum Thema „Sojaanbau in Argentinien“. Darin bemängeln Sie, der dargestellte Zusammenhang zwischen den Behinderungen des gezeigten Kindes und dem Einsatz des Wirkstoffes Glyphosat entbehre jeder Grundlage, die Redaktion sei „Propagandaorganisationen wie Greenpeace“ aufgesessen.<br />
Sie fügen an, die Nachfrage bei Monsanto hätten sich die Autoren sparen können und fragen überdies, warum nicht auch anerkannte Toxikologen und Genehmigungsbehörden befragt worden seien. So habe man bei der österreichischen Behörde AGES fündig werden können.</p>
<p style="text-align: left">Neben anderer Kritik sehen Sie im Beitrag eine „einseitige Berichterstattung“.</p>
<p style="text-align: left">Dazu darf ich Folgendes feststellen:<br />
Greenpeace fand im Beitrag gar keine Erwähnung. Die beschriebenen Zusammenhänge basierten dagegen auf einer umfassenden Recherche vor Ort und einer Vielzahl studien-unabhängiger Wissenschaftler (sic!), die die behördlichen Einschätzungen zur Toxizität von Glyphosat weltweit in Frage stellen. Nur zwei von ihnen haben die Autoren zitiert.<br />
Der Hinweis auf die AGES und deren Mitarbeiterin Dr. Bettina Hrdina-Zödl ist dabei im Übrigen nicht zwingend: Weder die AGES noch Hrdina-Zödl sind jenseits dieser Kritik an einer Studie des von den Autoren interviewten Prof. Séralini mit Arbeiten zur Toxizität von Glyphosat aufgefallen. Auch ihr Kommentar, der die von Séralini angewandte Methodik in Teilen kritisiert, hat in Fachkreisen nicht reüssiert, letztlich also dessen Ergebnisse nicht in Frage stellen können. Schließlich hat nicht einmal das Unternehmen Monsanto, das von der Redaktion ausdrücklich auf die Arbeiten von Séralini angesprochen wurde, mit einem Verweis auf die AGES reagiert.<br />
In diesem Zusammenhang ist zudem schwer erklärlich, warum Hrdina-Zödl in ihrer Kritik nicht die Arbeit von Martinez/Reyes/Reyes erwähnt – und sich mit deren Methodik auseinandersetzt. Diese waren schon 2007 wie Séralini et alia zu dem Schluss gekommen, dass sowohl Glyphosat wie glyphosathaltige Produkte auf menschliche Zellen toxisch wirken.<br />
Hinzu kommt: Die Kritik von Hrdina-Zödl bezieht sich lediglich auf eine Veröffentlichung von Séralini et alia aus 2009. Tatsächlich hat Séralini seit 2005 acht Veröffentlichungen zur Toxizität von Glyphosat bzw. Roundup publiziert, die jüngste aus 2010. Alle diese Studien werden unter Experten ungeachtet der Kritik von Hrdina-Zödl nach wie vor breit zitiert.<br />
Es ist auch nicht so, dass die Autoren bei den Recherchen behördliche Erkenntnisse unbeachtet gelassen hätten. Das bundesdeutsche Institut für Risikobewertung (BfR) revidierte 2007 seine (schon damals für eine hohe Toxizität von Glyphosat sprechende) Sicht, „dass bisher lediglich nach oraler Aufnahme…bereits sehr geringe Mengen aus(reichen), um lebensbedrohliche Gesundheitsstörungen zu verursachen.“ Vielmehr müsse auch „deutlicher vor ernsten Lungenschäden durch den Kontakt mit dem Sprühnebel…gewarnt werden.“<br />
Die Autoren prüften auch die EU-Richtlinie 91/414/EEC. Allerdings stammen die für die Bewertung herangezogenen Studien von vor 2002, dies konzediert im Übrigen auch Hrdina-Zödl. Was sie nicht schreibt: Das entsprechende Dokument der EU-Kommission zieht fast ausschließlich Studien heran, die als Quelle Monsanto benennen.<br />
Ihrem Hinweis, die Anfrage an Monsanto „habe man sich sparen können“, ist zu entgegnen, dass es zu unseren journalistischen Grundsätzen gehört, betroffene Unternehmen zum Sachverhalt zu befragen. In diesem Falle ist Monsanto explizit zu den von den Autoren aufgegriffenen und dargestellten Zusammenhängen und Studien befragt worden. Das Unternehmen antwortete, nahm aber auf die konkreten Fragen keinen Bezug.</p>
<p style="text-align: left">Mit freundlichen Grüßen</p>
<p style="text-align: left">Thomas Nell</p>
<p style="text-align: left">Der Beitrag basiert also auf einer „umfassenden Recherche vor Ort und einer Vielzahl studien-unabhängiger Wissenschaftler, die die behördlichen Einschätzungen zur Toxizität von Glyphosat weltweit in Frage stellen“. Nur zwei davon wurden zitiert. Mehr haben die Autoren wohl auch nicht finden können. Der Fauxpas „studien-unabhängige Wissenschaftler“ passt da ganz gut ins Bild. Denn die zwei zitierten Autoren lassen sich in ihren Schlussfolgerungen auch nicht von der Vielzahl für die Zulassung angefertigter Studien beirren. Sie sind also unabhängig von den Erkenntnissen ihrer Kollegen als auch von der Industrie – was hier wohl gemeint war: „Das entsprechende Dokument der EU-Kommission zieht fast ausschließlich Studien heran, die als Quelle Monsanto benennen“. Wenn die Autoren wüssten, dass für die Zulassung von Arzneimitteln ausschließlich nur Studien der Genehmigungsinhaber herangezogen werden, wie würde dann wohl ein Beitrag von <em>plusminus</em> aussehen?</p>
<p style="text-align: left">Köstlich auch diese Argumentation: Der Hinweis auf die Bewertung von AGES und deren Autorin sei nicht zwingend, weil die Arbeiten von Seralini in Fachkreisen nicht reüssiert seien und „alle seine Studien unter Experten ungeachtet der Kritik von Hrdina-Zödl nach wie vor breit zitiert“ werden. Welche „Experten“ da wohl gemeint sind? Also doch Greenpeace aufgesessen, auch wenn man sich vor einer ausdrücklichen Bezugnahme verwahrt. Selbst wikipedia hält die „neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse“ von Seralini nicht mal für erwähnenswert.</p>
<p style="text-align: left">Ich weis nicht aus welcher BfR-Stellungnahme hier zitiert wurde und ob es da nicht vielleicht in erster Linie um die bei Pflanzenschutzmitteln verwendeten Formulierungshilfsstoffe ging, aber dann müssen die Angaben in sämtlichen verfügbaren Datenbanken zu dem Wirkstoff wohl falsch sein: Wie z.B. die <a href="http://ec.europa.eu/sanco_pesticides/public/index.cfm" target="_blank">hier</a><a href="http://ec.europa.eu/sanco_pesticides/public/index.cfm"></a></p>
<p style="text-align: left">oder <a href="http://biade.itrust.de/biade/lpext.dll?f=templates&amp;fn=main-hit-h.htm&amp;2.0" target="_blank">diese</a>.  Allen fehlende Aktualität vorzuwerfen, ist schon starker Tobak.</p>
<p style="text-align: left">Deutsche und Österreichische Äcker gelten ab sofort gesperrt und die Erde als Sondermüll behandelt, denn allein in unserem so ökologisch korrekten Nachbarland wurden z.B. 1999 112.000 kg des Wirkstoffes ausgebracht.</p>
<p style="text-align: left">Martin Ballaschk hat ganz aktuell mal eine Übersicht zu den Aktivitäten von Seralini gegeben und seine „Unabhängigkeit“ beleuchtet: <a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/detritus/molekularbiologie/2011-03-30/gerichtsurteile-und-die-unabh-ngigkeit-von-gentech-studien">http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/detritus/molekularbiologie/2011-03-30/gerichtsurteile-und-die-unabh-ngigkeit-von-gentech-studien</a></p>
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		<title>Auf der Suche nach den &#8220;Superunkräutern&#8221;</title>
		<link>http://gute-gene-schlechte-gene.de/auf-der-suche-nach-den-superunkrautern/</link>
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		<pubDate>Tue, 29 Mar 2011 06:26:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Fladung</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Informationsvermittlung]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Superunkräuter]]></category>

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		<description><![CDATA[Die SPD-Bundestagsfraktion hat im Februar eine Kleine Anfrage mit dem Titel „Offene Fragen und Forschungsbedarf hinsichtlich der zunehmenden Entstehung (herbizid-)resistenter „Superunkräuter“ an die Bundesregierung gerichtet. Insgesamt wurden 23 Fragen gestellt, in denen immer wieder von „Superunkräutern“ die Rede ist. Da habe ich erst einmal die Stirn gerunzelt.Es ist das selbstverständliche Recht von Parlamentariern, von ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Die SPD-Bundestagsfraktion hat im Februar eine Kleine Anfrage mit dem Titel „Offene Fragen und Forschungsbedarf hinsichtlich der zunehmenden Entstehung (herbizid-)resistenter „Superunkräuter“ an die Bundesregierung gerichtet. Insgesamt wurden 23 Fragen gestellt, in denen immer wieder von „Superunkräutern“ die Rede ist. Da habe ich erst einmal die Stirn gerunzelt.<span id="more-436"></span>Es ist das selbstverständliche Recht von Parlamentariern, von der Regierung Auskunft zu speziellen Themen zu verlangen, wie hier zum Auftreten und zur Bedeutung herbizidresistenter Unkräuter. Dass solche Unkräuter dann aber als „Superunkräuter“ bezeichnet werden, klingt nicht gerade nach unvoreingenommenem Informationsbedarf. Was ist denn ein „Superunkraut“? Eine fachlich exakte, wissenschaftliche Definition des Begriffes gibt es meines Wissens nicht.</p>
<p style="text-align: left;">Die Antwort der Bundesregierung wurde dann in einer am 16.März erschienenen Pressemitteilung der SPD kommentiert (<a href="http://www.spdfraktion.de/cnt/rs/rs_dok/0,,56022,00.pdf" target="_blank">Pressemitteilung SPD-Bundestagsfraktion 16.03.2011</a>). Titel: „Superunkräuter &#8211; Grüne Gentechnik verschärft Problematik“. Allerdings hat mich das darin gezeichnete Horrorszenario doch etwas befremdet. Daher machte ich mich auf die Suche nach den tatsächlichen Antworten der Bundesregierung, aufgrund derer die SPD-Interpretationen zustande gekommen waren. Fehlanzeige! Die Antworten waren noch gar nicht veröffentlicht. Dieses Vorgehen ist schon etwas merkwürdig! Noch einen darauf gesetzt haben dann die Macher vom „Informationsdienst Gentechnik“, die quasi eine Interpretation zur Interpretation veröffentlicht haben, ohne auch nur den Versuch zu machen, die Quelle zu suchen oder gar zur Verfügung zu stellen (<a href="http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/23485.html" target="_blank">Informationsdienst Gentechnik, 21.03.2011</a>). Na, wenn das mal nicht das Gegenteil von transparenter Informationsvermittlung ist &#8230;</p>
<p style="text-align: left;">Aber bleiben wir mal beim Stichwort „Informationsvermittlung“: Am Freitag wurde die Antwort der Bundesregierung bzw. des BMELV veröffentlicht, (<a href="http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/050/1705027.pdf" target="_blank">Antwort auf Kleine Anfrage</a>). Und was kann der interessierte und nach fundierten Quellen suchende Leser beim Studium der Antwort entdecken? Zu keinem der von der SPD im Vorfeld gezeichneten Szenarien lässt sich wirklich eine Quelle finden. Die Antwort ist sehr ausführlich und fachlich gut begründet. Sie lässt darüber hinaus auch keinerlei Hinweis erkennen, warum Unkräuter, die gegenüber bestimmten Herbiziden eine Resistenz entwickelt haben, die Bezeichnung „Super-Unkräuter“ verdienen. Ich bin noch nicht dazu gekommen, die Antworten detaillierter anzuschauen, ist aber sicherlich interessant und aufschlussreich.</p>
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